PORTRÄT MICKEY ROURKE SCHAUSPIELER: : "Ich bin ein Träumer, der in der Scheiße lebt"

Aus dem edlen Hotel am Lido haben sie ihn fast wieder herausgejagt, weil er zu früh zum Check-In erschienen war. Kein Wunder: lange, fettige Haare, Sonnenbrille, Hündchen im Arm – wie ein Star sieht er nicht gerade aus.

Christina Tilmann

Auch bei den exklusiven Filmparties hatte man immer etwas die Angst, dass er den Abend doch sprengen würde. Doch wie einen Star, nein, wie den Messias haben sie ihn schließlich gefeiert, als Darren Aranofskys „The Wrestler“, der letzte Wettbewerbsbeitrag beim 65. Filmfest von Venedig, der am Samstagabend den Goldenen Löwen für den besten Film gewann.

Auch wenn Mickey Rourke von dem Wort „Comeback“ nichts wissen will: „Von wo kommt man denn zurück? Man kommt aus dem Krieg zurück, ohne ein Bein verloren zu haben, man kommt aus dem Restaurant zurück, nachdem man ein Schinkenbrot gegessen hat – was heißt schon zurückkommen?“ blafft er ungnädig zurück. Doch eine Art Wiederauferstehung ist es schon, diese Rolle des Randy „The Ram“ Robinson. Eine Wiederkehr nach 15 Jahren. Die Wiederkehr eines Schauspielers, der mit „Das Jahr des Drachen“, „Angel Heart“ und vor allem mit „Neuneinhalb Wochen“ in den Achtzigern als Sexsymbol Furore machte, und sich dann, auf der Höhe des Ruhms, entschied, einem Kindheitstraum zu folgen: Er wurde Profiboxer. Acht Wettkämpfe, sechs Siege, dann war auch diese Karriere beendet und Mickey Rourke geriet in Vergessenheit, seine Frau verließ ihn, er lebte allein mit seinen sieben Hunden in einer Mini-Wohnung, schnitt sich selbst einen Finger ab, am Ende war er so verarmt, dass er zehn seiner elf Motorräder verkaufen musste: „Glauben Sie mir, das hat mich fast umgebracht.“

Fast umgebracht hat es ihn auch in „The Wrestler“: das Leben, der Kampf. Auch da ist er ganz unten, haust in einem Wohnwagen, die einzige Freundin eine Stripperin, die Tochter hat den Kontakt abgebrochen, und alle Versuche, ein neues Leben zu beginnen, scheitern. Man muss ihn gesehen haben, diesen gewichtigen Kerl, die Haare eine lange, blonde Mähne, die Muskeln durch Drogen aufgepumpt, wie er sich an der Fleischtheke als Verkäufer versucht oder für seine Tochter ein Geschenk kaufen will. „The Wrestler“ erzählt die Geschichte eines Neuanfangs, erzählt von Stolz und Frust und Überlebenswillen: „Ich habe einen ganzen Sack voller Probleme gehabt, aber ich bin stolz darauf, keine Kompromisse gemacht zu haben.“ Auch dafür gab es den Goldenen Löwen.Christina Tilmann

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