PORTRÄT MIREK TOPOLANEK, EU-RATSPRÄSIDENT AUF ABRUF: : "Das ist der Weg in die Hölle"

Als Mann der zurückhaltenden, gepflegten Ausdrucksweise war Mirek Topolanek bisher nicht bekannt. War es dennoch nur ein Übersetzungsfehler, der im Europaparlament für Aufregung sorgte?

Fabian Leber
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Foto: ddp

Ganz abwegig erschien es nicht, als Topolanek der amerikanischen Regierung am Mittwoch im Europaparlament vorhielt, sie verdiene in der Wirtschaftskrise "durch Waffenkäufe" Geld. Nun aber soll Topolaneks Frontalangriff lediglich auf einen Übersetzungsfehler im babylonischen Sprachengewirr der EU zurückzuführen sein. Der schon abgewählte, aber noch amtierende tschechische Regierungschef sprach in seiner Rede offenbar von „bondy“ (tschechisch für: Wertpapiere) statt von „bomby“ (Bomben/Waffen). Der englische Übersetzer verstand „bomby“ und machte daraus „weapons“ (Waffen). Von der englischen Hauptübersetzung wurde diese Version dann in mehrere der insgesamt 23 EU-Amtssprachen übernommen.

Mit einem Fernsehband der Originalrede hatte die EU-Ratspräsidentschaft noch in der Nacht versucht, die Öffentlichkeit von der Unverfänglichkeit der Topolanek-Tirade zu überzeugen. Schließlich hatte der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, Martin Schulz, bereits seine Empörung zu Protokoll gebracht. Topolanek spreche „nicht im Namen der EU, sondern nur in seinem eigenen Namen“. An Topolanek gewandt sagte Schulz: „Sie haben nicht begriffen, was die Aufgabe des EU-Ratsvorsitzes ist.“

Eine zweite Äußerung, die nicht weniger problematisch ist, soll dagegen während der Rede tatsächlich gefallen sein. Topolanek habe davon geredet, dass die massiven US-Konjunkturhilfen der „Weg zur Hölle“ seien, bestätigte seine Pressesprecherin am Donnerstag. „Auf Tschechisch ist dieser Ausdruck kaum dramatisch und entspricht auf Deutsch ungefähr der Äußerung, man sei nicht auf dem richtigen Weg“, sagte sie.

Wenn das so ist, dann könnte man auch davon sprechen, dass Topolanek selbst auf dem besten „Weg zur Hölle“ ist. Nach dem erfolgreichen Misstrauensvotum gegen ihn am Dienstag im Prager Parlament ist er jetzt auch ein EU-Ratspräsident auf Abruf. Seine Zukunft liegt ausgerechnet in der Hand seines ärgsten Widersachers, des tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus. Wenn Topolanek ihm die Unterschriften einer Mehrheit der Abgeordneten vorlege, werde er ihn wieder mit der Regierungsbildung beautragen – andernfalls nicht, sagt Klaus. Der Staatschef hat ihm damit womöglich eine Falle gestellt, aber Topolanek zeigt, dass er zum Kämpfen bereit ist. In einem Interview deutet er recht offen an, dass sein Erzfeind Klaus beim Sturz seiner Regierung „ohne Zweifel“ eine Rolle gespielt haben könnte. Kommt es zu Neuwahlen, könnte Topolanek die Sympathie der Tschechen nun auf seiner Seite haben.

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