PORTRÄT : Mitslal Kifleyesus-Matschie: „Ich war stolz auf ihn“

Mitslal Kifleyesus-Matschie bricht eine Lanze für ihre Wahlheimat Thüringen, wo im Wahlkampf der dunkelhäutige CDU-Politiker Zeca Schall von der NPD attackiert wurde. Die Frau an der Seite des Thüringer SPD-Spitzenkandidaten Christoph Matschie ist promovierte Politologin und wurde 1968 in Äthiopien geboren.

Eike Kellermann
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Foto: dpadpa-Zentralbild

Mitslal Kifleyesus-Matschie blickt lächelnd auf zu ihrem Mann Christoph, der mindestens einen Kopf größer ist als sie. Ihre Hand tätschelt ihm den Rücken, so als wolle sie sagen: Gut gemacht!

„Ja, ich war stolz auf ihn“, sagt sie im Rückblick über diesen Moment am Sonntagabend, als der Thüringer SPD-Spitzenkandidat vor seine jubelnden Anhänger trat. Christoph Matschie hat zwar kein berauschendes Wahlergebnis eingefahren, aber für die Verhältnisse der Thüringer SPD eine ordentliche Steigerung hingelegt. Entscheidender freilich ist, dass er mit 18,5 Prozent zum Königsmacher wird. Ohne die SPD wird es keine neue Regierung in Erfurt geben.

Die Frau an Matschies Seite ist promovierte Politologin, 1968 wurde sie in Äthiopien geboren. Mitte der 90er Jahre lernte sie den damaligen Bundestagsabgeordneten Matschie kennen. Sie arbeitete damals für die UN in Brüssel und hielt Seminare an der Uni Jena. „Er wirkte unkonventionell und sah gut aus. Als wir miteinander ins Gespräch kamen, spürte ich, dass unter den Lederklamotten ein Mann mit einem großen Herzen steckte“, erinnert sie sich.

Zwei Jahre später heirateten sie, sie zog nach Thüringen. Zwei Kinder haben sie, neun und sieben Jahre alt. Mitslal Kifleyesus-Matschie arbeitet gerade an ihrer Habilitation, in der es um Entwicklungshilfe geht. Aus der Landespolitik möchte sie sich heraushalten. Soll ihr Mann eher die CDU oder die Linke als Koalitionspartner bevorzugen? „Das ist echt seine Sache.“

Allerdings will sie eine Lanze brechen für ihre Wahlheimat Thüringen, wo im Wahlkampf der dunkelhäutige CDU-Politiker Zeca Schall von der NPD attackiert wurde. Sie habe derartige Anfeindungen nie erlebt, sagt sie. „Ich kenne Thüringen, ich kenne die Dörfer: Dort ist man nicht fremdenfeindlich.“ Natürlich mache ihr die NPD Sorgen, aber das sei kein Problem allein des Ostens.

Vor ein paar Wochen ist sie von einem neunmonatigen Aufenthalt aus Äthiopien zurückgekehrt, wo sie neun Geschwister hat. Sie engagiert sich stark in dem armen Land. So lehrt sie zum Beispiel Kleinbauern, wie sie Marmelade produzieren können. Sie sollen sich so eine eigene Existenz aufbauen. Umgekehrt will sie ein Stück afrikanisches Lebensgefühl nach Deutschland bringen. Das wird deutlich, wenn sie sagt: „Ich möchte die beste Frau für meinen Mann sein, die beste Mama für meine Kinder und die beste Freundin für meine Freunde.“

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