• PORTRÄT MITT ROMNEY US-PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT„Ich war mein Leben lang ein großer Jäger“

Meinung : PORTRÄT MITT ROMNEY US-PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT„Ich war mein Leben lang ein großer Jäger“

Christoph von Marschall

Wieder holen ihn die Gerüchte ein: Dass er es mit der Wahrheit nicht so genau nehme, dass er opportunistisch die Positionen wechsele, je nachdem, welche Wählerschaft er gerade brauche. Derzeit umwirbt Mitt Romney, 60, die konservative Basis. Die soll ihn als Präsidentschaftskandidaten aufstellen. Die Liebe zu Waffen kommt dort gut an. Er sei sein Leben lang passionierter Jäger gewesen, behauptete er letzte Woche. Das war dumm, er weiß doch, dass die Konkurrenz und die Medien gnadenlos „fact checking“ betreiben. Romney hat in keinem der vier US-Staaten, in denen er offiziell wohnte, einen Jagdschein beantragt. Nun folgt täglich eine neue Korrektur. Erst sagte sein Stab, der Meister habe zwei Mal gepirscht – als Teenager in Idaho und 2006 Jahr mit Großspendern in Georgia. Das beziehe sich auf Großwild, korrigierte Romney am Wochenende. In Utah habe er jahrelang Hasen gejagt, dafür brauche man keinen Schein.

Er steht jetzt als „Flipfloper“ da, der mal so, mal so redet. Daran scheiterte Demokrat John Kerry gegen Bush 2004, nach Widersprüchen über seine Rolle als Schnellbootkommandant in Vietnam.

Dabei war Mitt Romney endlich obenauf, vielleicht verleitete ihn das zum Übermut. 20,7 Millionen Dollar Spenden hat er im ersten Quartal 2007 eingeworben (sofern man ihm da trauen darf, die offiziellen Zahlen folgen nächsten Montag). Damit liegt er weit vor der republikanischen Konkurrenz. New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani, der seit Monaten die Umfragen unter Konservativen anführt, vermeldete 15 Millionen, Senator John McCain, die Nummer zwei, 12,5 Millionen. Der spektakuläre Spendenerfolg brachte Romney zurück ins Rennen. Man hatte begonnen, ihn abzuschreiben, weil seine Umfragewerte bei zwei bis vier Prozent verharrten. Ein Handicap: Er ist Mormone, viele Amerikaner misstrauen der Sekte. Das zweite: Da war schon zuvor der Verdacht des Opportunismus. Die Gouverneurswahl 2002 im liberalen Ostküstenstaat Massachusetts hatte Romney gewonnen, weil er für Abtreibungsfreiheit und Waffenkontrolle eintrat. Heute wirbt er mit gegenteiligen Positionen. Die Wirtschaft mag ihn. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, als Manager führte er die Olympiade 2002 in Salt Lake City zum Gewinn. Er verkörpert Amerikas Werte, ist seit 29 Jahren mit der ersten Frau verheiratet, sie haben fünf Söhne. Doch wer zu oft beim Schwindeln erwischt wird, ist nicht präsidiabel.

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