PORTRÄT : Monika Auweter-Kurtz: „Meine Tür steht jederzeit offen“

Sie wird "Raketen-Moni" genannt: Monika Auweter-Kurtz ist Präsidentin der Uni Hamburg. Doch jetzt hat sie die Universität gegen sich aufgebracht. Von „praxisferner Überbürokratisierung“ ist die Rede, von einer „autoritär geführten Einrichtung“. Einen Rücktritt lehnt die Raumfahrtspezialistin ab.

Amory Burchard
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Monika Auweter-Kurtz, Präsidentin der Uni Hamburg.Foto: dpa

Es gibt dieses strahlende Bild von Monika Auweter-Kurtz. Die neue Präsidentin der Universität Hamburg steht Anfang 2007 zwischen Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Hamburgs damaligem Wissenschaftssenator Jörg Dräger – auch sie lächeln zufrieden. Dabei hatte es gegen die Wahl der Raketenforscherin aus Stuttgart nicht nur Proteste vom Asta, sondern auch von Professoren gegeben. Sie lehnten Auweter-Kurtz ab, wegen ihrer angeblichen Nähe zur Rüstungsforschung.

Seitdem ist es der heute 58-jährigen Auweter-Kurtz nicht gelungen, die Basis der Hamburger Universität hinter sich zu bringen: Im März 2007 verhängte sie einen Maulkorberlass gegen Professoren. Sie allein sei für die Außenvertretung zuständig. Nicht mit der Pressestelle abgestimmte Erklärungen seien „nach außen leider kontraproduktiv“.

Jetzt ist in Hamburg ein offener Aufstand gegen die Raumfahrtspezialistin losgebrochen. 120 Professoren haben einen Abwahlaufruf unterzeichnet. Sie machen Auweter-Kurtz für „gravierende Missstände“ verantwortlich. Von „praxisferner Überbürokratisierung“ ist die Rede, von einer „autoritär geführten Einrichtung“. Dass unzufriedene Professoren offen gegen ein Präsidium rebellieren, hat Seltenheitswert.

Der Spitzname „Raketen-Moni“ steht in Hamburg mittlerweile auch für den als ruppig beschriebenen Kommunikationsstil von Auweter-Kurtz. Sie gilt als äußerst spröde im Umgang. Der Medienwissenschaftler Knut Hickethier wirft ihr vor, Dekane „abzubürsten“, konstruktive Vorschläge zu ignorieren. Aktuell weigert sich die Präsidentin, den kürzlich von der geisteswissenschaftlichen Fakultät gewählten neuen Dekan, einen Theologen, zu bestätigen. Ohne Begründung, wie es heißt. Auweter-Kurtz’ Vorgehen entspricht allerdings dem, was die schwarz-grüne Koalition in ihrem geplanten „Wissenschaftsförderungsgesetz“ verankern will. Danach könnten Fakultätsräte bei der Wahl des Dekanats tatsächlich entmachtet werden.

Strittig sind auch die Pläne der Präsidentin für einen Umzug der Uni aus der Innenstadt in die Hafencity. Die Hochschule brauche mehr Raum, um Anschluss an die Spitze zu finden, sagt die Präsidentin. Einen Rücktritt hat sie am Freitag allerdings abgelehnt. „Meine Tür steht weiter jederzeit offen“, kommentierte sie die Kritik an ihrem Kommunikationsstil.

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