PORTRÄT MOSCHE KATSAV EX-PRÄSIDENT ISRAELS: : „Sie haben die Lüge siegen lassen“

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Sieben Jahre Haft für Mosche Katsav. Und noch weitere zwei Jahre auf Bewährung für den ehemaligen Staatspräsidenten Israels, der ein serienmäßiger Sittlichkeitsverbrecher im Amt war. Das ist ein sensationelles Urteil in einem spektakulären Fall.

„Ein trauriger, beschämender Tag“ sei das für den jüdischen Staat, sagte nach der Verkündigung des Strafmaßes kein anderer als Regierungschef Benjamin Netanjahu, ein Parteifreund Katsavs, vollkommen zu Recht. Urteil und Strafmaß festigten die Prinzipien der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz und der Gleichheit von Mann und Frau. Beide Prinzipien, so ein politisch denkender Netanjahu, unterscheiden Israel deutlich von seiner Umgebung.

Das Gericht hat demnach den Schaden, den Katsav mit seinen Untaten angerichtet hat, in seinem Urteil nicht wiedergutmachen, aber immerhin einschränken können. Denn der 65-jährige Katsav, früher einmal fälschlicherweise als „Politiker ohne Feinde“ gelobt – in Wirklichkeit Großmeister im Postenschacher – hat fürchterlichen Schaden angerichtet.

Er hat das normale Leben nicht nur seiner in der Anklageschrift genannten Opfer, sondern auch weiterer Frauen zerstört oder zumindest erheblich gestört. Er hat seine treu zu ihm haltende Ehefrau auf peinlichste Weise bloßgestellt. Und er hat nicht nur dem Amt des Staatspräsidenten, sondern auch dem Ansehen Israels schwersten Schaden zugefügt.

Dabei ist der gebürtige Perser und ehemals jüngste Bürgermeister in Israel bis zuletzt uneinsichtig geblieben. Alle sind schuld, nur er nicht: Die angeblich verlogenen, in Wirklichkeit von ihm missbrauchten und belästigten Frauen, die angeblich eine „Hexenjagd“ auf ihn veranstaltenden und ihn vorverurteilenden Medien, die angeblich gegen ihn konspirierende Polizei und Staatsanwaltschaft und schließlich das Gericht: „Sie haben die Lüge siegen lassen“, schrie er während der Strafmaßverkündigung dem Vorsitzenden Richter ins Gesicht.

Fazit des Verfahrens gegen Katsav: Er hat verdient Prozess, Amt, Ansehen, für längere Zeit auch seine Freiheit verloren. Die Politiker, die ihn seinerzeit im Wissen um die herumschwirrenden Gerüchte über sein Sexualverhalten und gesetzeswidrige Ernennungen von Parteifreunden gewählt haben, und die anderen, die seine Wahl nicht verhinderten, müssten heute endlich in sich gehen. Doch sie wursteln weiter, als sei nichts geschehen. Fürwahr: ein beschämender Tag. Charles A. Landsmann

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