PORTRÄT MUSTAFA ÖZEN, ÖKOSTROM-MANAGER : "Ich bin ein klassischer Hocharbeiter"

Sein akzentfreies Deutsch verursacht noch immer Verwunderung: Dabei, sagt der Ökostrom-Manager, gebe es ihn millionenfach.

Andrea Dernbach

Mit Obst und Gemüse hat er beruflich kaum zu tun; selbst Glühbirnen werden, wenn EU-Bann vollständig gilt, aus seinem Geschäftsfeld fallen. Mustafa Özen sitzt, wo Berlins Ex-Senator Sarrazin einen deutschen Türken kaum vermuten würde: im Vorstand eines Energieunternehmens. „Lichtblick“ heißt es und war 1998, als der Strommarkt liberalisiert wurde, einer der ersten Anbieter von Ökostrom. Inzwischen sind die Hamburger die Nummer eins auf dem grünen Markt – mit guten Zuwachsraten vor allem in Hamburg und Berlin, wo Preise und Atompannen beim Platzhirschen Vattenfall viele Kunden zum Wechsel bewegten.

Mustafa Özen ist seit fünf Jahren dabei. 2004 fing er in der Buchhaltung an, stieg schon zwei Jahre später zu deren Chef auf und kam weitere zwei Jahre später in die Geschäftsleitung. Seit August ist er im Vorstand. „Ich bin ein klassischer Hocharbeiter“, sagt der 37-Jährige und lacht. Das war er praktisch sein Leben lang. Von Denizli am Ägäischen Meer zog er Ende der 70er Jahre nach Deutschland, wo seine Eltern in einer Fabrik arbeiteten. Özen lernte in Hamburg Elektroinstallateur, machte Fachabitur, studierte Elektrotechnik und ließ sich zum Industriekaufmann ausbilden.

Wer mit Özen spricht, erfährt etwas über die andere Seite des „Integrationsproblems“: Als Nichtdeutscher habe er sich „härter durchbeißen und immer ein Quäntchen besser sein“ müssen. Die eine oder andere Bewerbung, da ist er sich sicher, sei schon an seinem Namen gescheitert. Und selbst bei der Firma, in deren Vorstand er jetzt aufgestiegen ist, gab es Verwunderung darüber, dass er akzentfrei Deutsch spricht. Das hat sich gelegt. „Entscheidend ist es, den ersten Schritt hinzubekommen“, sagt Özen. Erst dann zähle wirklich nur noch, was man kann.

Das hat soeben eine OECD-Studie über hochqualifizierte Migranten bestätigt. Sie finden viel schwerer eine Stelle, sind dann aber auffallend oft erfolgreicher als Altbürger. Und werden dann womöglich erst recht keine Deutschen mehr. Für den Ämterhürdenlauf, der seit ein paar Jahren für den deutschen Pass nötig ist, hat Özen einfach keine Zeit mehr. „Ich habe es verpasst, als es noch einfach war.“ Für ihn sei das zwar „nicht kriegsentscheidend“, schade sei’s aber schon, dass es auch kein anderes amtliches Formular gebe, das ihm bestätige, dass er hierhergehöre. „Ich gehöre schließlich zu keiner Randgruppe, mich gibt es millionenfach.“

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