PORTRÄT : "Nächste Woche hört ihr mehr"

Schon das Foto des Herrn über die Terrorabwehr der CIA gilt als Sensation. Amerikas Oberspion Jose Rodriguez im Portät.

Christoph von Marschall

Sein Alter, seine Adresse bleiben vertraulich. Aber schon das Foto des Herrn über die Terrorabwehr der CIA gilt als Sensation. José Rodriguez ist nun eindeutig identifizierbar, für Freund wie Feind: ein Spion, der aus dem Dunkel kommt. Seine Enttarnung ist nicht Folge einer Intrige wie kürzlich bei "Leakgate", der Kabale um die blonde Agentin Valerie Plame und Saddams angebliche Urankäufe in Niger, die zum Sturz von Scooter Libby, dem Stabschef von Vizepräsident Cheney führte. Der Geheimdienst selbst hat den erkennungsdienstlichen Service eingeleitet. Rodriguez will dieses Jahr in den Ruhestand gehen, seinem Land aber weiter dienen – indem er Angehörige ethnischer Minderheiten mit öffentlichen Auftritten zu einer CIA-Karriere animiert.

Genau genommen hatte die CIA ihn schon vor einem Monat geoutet – nur offenbar ohne die gewünschte Breitenwirkung. Weshalb CIA-Sprecher Mark Mansfield nun abermals den laut Medienecho "bedeutendsten Namenlosen in der Welt der Spionage" vorstellte. Ganz so geheim war er freilich nicht. Das Internetlexikon Wikipedia führte ihn schon zuvor, freilich "mit vielen sachlichen Fehlern", wie es nun heißt, die aber nicht genannt werden. In Geheimdienstkreisen war seine Identität ein offenes Geheimnis.

Rodriguez stammt aus Puerto Rico und verbrachte den Großteil seiner Laufbahn in Lateinamerika. In Mexiko soll er 1999 über 500 Agenten geführt und 2004 die Organisatoren der Olympiade in Athen bei der Terrorabwehr beraten haben. Einen kurzen Karriereknick gab es, als er in den 90ern zugunsten eines Freundes intervenierte, der in der Dominikanischen Republik wegen Drogenbesitzes verhaftet worden war. Er musste die CIA-Lateinamerikaabteilung verlassen. Anklage wegen Missbrauchs seiner Position wurde aber nicht erhoben. 2002 wurde er Direktor der Terrorabwehr und 2004 Chef aller "Human intelligence"-Operationen. Der Oberbegriff beschreibt Erkenntnisse aus menschlichen Quellen, vulgo: Spionen, im Gegensatz zur technischen Aufklärung durch Satelliten, Abhöraktionen und ähnliche Methoden.

"José hat seine Führungsqualitäten sowohl draußen im Feld als auch im Hauptquartier bewiesen und einige der wichtigsten Siege über Terroristen errungen", lobt CIA-Direktor Michael Hayden. Auch er nennt keine Details. Nächste Woche wird Rodriguez offiziell ins Rampenlicht treten: bei einer Konferenz in El Paso, Texas. 

0 Kommentare

Neuester Kommentar