PORTRÄT NEWT GINGRICH US-REPUBLIKANER: : „Klimaschutz war die größte Dummheit“

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Es bleiben nur 31 Tage bis zur Vorwahl in Iowa – dem Start der Abstimmungen über den Präsidentschaftskandidaten 2012 der Republikaner. Greift nun Panik um sich, dass sie keinen Spitzenkandidaten finden, der Barack Obama besiegen kann? Es wirkt wie eine Verzweiflungstat, wenn Newt Gingrich plötzlich an die Spitze der Umfragen rückt, ein Politiker von vorgestern. Der 68-Jährige schleppt viele Belastungen aus den 90er Jahren mit sich, als er der Gegenspieler von Bill Clinton war. Zum Beispiel hatte er selbst eine außereheliche Affäre, als er das Amtsenthebungsverfahren gegen Clinton wegen dessen Lügen über das Verhältnis zur Praktikantin Monika Lewinsky einleitete.

Bis vor kurzem waren die Republikaner voll Siegeszuversicht. Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit ist Obama unpopulär. Über 50 Prozent lehnen seine Politik ab. Schlimmer noch: Drei Viertel der Bürger sehen Amerika auf dem falschen Kurs. Ein Präsident mit solchen Zahlen wird normalerweise nicht wiedergewählt.

Doch die Konservativen stehen nicht besser da. Die Rangeleien um die Spitzenkandidatur wirken auf viele Amerikaner peinlich. Sie haben einen Bewerber, der bisher nicht durch fragwürdige Aussagen auffiel: Mitt Romney, der im Investmentgeschäft Millionen verdient hat und Gouverneur von Massachusetts war. Doch den mag die Basis nicht. In Herzensfragen der Republikaner – Abtreibung, Homoehe, Waffenrecht – hat Romney opportunistisch seine Meinung gewechselt; außerdem ist er Mormone.

Auf der Suche nach Alternativen hat die Partei vier fragwürdige Figuren nach oben gelobt und wieder fallen lassen, als die Zweifel zu groß wurden: Immobilienhai Donald Trump, Tea-Party-Heldin Michele Bachmann, Texas-Gouverneur Rick Perry und den schwarzen Ex-Manager von „Godfathers Pizza“ Herman Cain, dem Frauen sexuelle Belästigung vorwerfen.

Nun also Gingrich. Er kultiviert den Ruf, ein kluger und weitblickender Intellektueller zu sein, der zugleich das harte Einmaleins der Macht beherrsche. Andere nennen ihn arrogant und überheblich. Sein Netzwerk aus der Zeit als Parlamentspräsident hat er genutzt, um mit Vorträgen, Beraterhonoraren und Büchern Millionen zu verdienen. Auch er richtet seine Ansichten nach dem politischen Wind. 2008 warb er für Klimaschutz, ein rotes Tuch für Amerikas Rechte. Heute sagt er, das war „das Dümmste, was ich je getan habe“. Christoph von Marschall

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