PORTRÄT NIHAT SORGEC, BERLINER UNTERNEHMER : "Ich bringe bei Obama meine Erfahrung ein"

Die Floristik-Azubis vom Bildungswerk Kreuzberg sind gut im Geschäft. Neulich erst haben sie den Integrationsgipfel bei Bundeskanzlerin Angela Merkel dekorativ aufgehübscht. Eingefädelt hatte das ihr Chef, Nihat Sorgec, eloquenter Unternehmer und Netzwerker mit Wurzeln in der Türkei. Seine Fäden reichen inzwischen bis ins Weiße Haus.

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Sorgec
Nihat Sorgec -Foto: David von Becker

Ende April wird Sorgec zum „Presidential Entrepreneurship Summit“ bei US-Präsident Barack Obama reisen, zusammen mit 150 anderen muslimischen Unternehmern und Politikern aus aller Welt.

Sorgec eignet sich perfekt als Mittler zwischen den türkischen Berlinern und den Vereinigten Staaten. Er trägt eine randlose Brille, Business-Frisur und wechselt mit tiefer, resonanzstarker Stimme fließend vom Deutschen ins Türkische. Sein Englisch holpert noch ein bisschen, aber das überspielt er mit souveräner Geste. Trotz schlechter Startbedingungen – als Gastarbeiterkind in einer Ausländerklasse – hat er sich über den zweiten Bildungsweg nach oben gekämpft. Jetzt ist der diplomierte Maschinenbauer geschäftsführender Gesellschafter einer gemeinnützigen Ausbildungsstätte für Jugendliche, die wegen schlechter Noten auf dem normalen Ausbildungsmarkt keine Chancen hätten. Viele von ihnen sind Migranten. Fast tausend Teilnehmer lernen derzeit in den verschiedenen Kursen und Ausbildungszweigen.

Barack Obama will die Beziehungen der USA zu muslimischen Gemeinschaften verbessern, deshalb kümmert sich auch die US-Botschaft in Berlin verstärkt um Kontakte zur türkischen und arabischen Gemeinschaft. „Ich will gerne helfen, Vorbehalte gegenüber den USA in der islamischen Welt abzubauen“, sagt Sorgec. Wichtig sei, dass Obama seine Ankündigungen auch in die Tat umsetze. Taten sind Sorgec wichtig, deshalb wurde er Unternehmer, statt in die Politik zu gehen. „Man muss in die Integration investieren. Wir sind der Beweis.“

Gerade hat er den US-Botschafter Philip D. Murphy mit seiner Frau und den türkischen Botschafter Ahmet Acet durchs Bildungswerk geführt. Besonders stolz ist Sorgec auf seinen Fortbildungskurs Journalismus. „23 Teilnehmer aus 14 Nationen.“ Murphy ist beeindruckt: „Fantastic.“ Auch zu den Floristinnen lotst Sorgec seine hochrangigen Gäste. Murphy sagt wieder „fantastic“, winkt eine Assistentin herbei und ordnet an, für eine der nächsten Dinnerpartys Blumen aus Kreuzberg zu bestellen.


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