• PORTRÄT NOACH FLUG HOLOCAUST-ÜBERLEBENDER:: „Die haben uns behandelt, als wären wir Asche“

PORTRÄT NOACH FLUG HOLOCAUST-ÜBERLEBENDER: : „Die haben uns behandelt, als wären wir Asche“

Charles A. Landsmann

Er hat Auschwitz und Mauthausen überlebt. Und auch etliche israelische Regierungen: „Die haben uns Holocaust-Überlebende behandelt als wären wir Asche“. Noach Flug, Präsident des Internationalen Auschwitz-Komitees und als Vorsitzender des Zentrums der Organisationen der Holocaust-Überlebenden in Israel der höchste Repräsentant der Schoah-Opfer, will von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück deshalb nicht einfach nur mehr Geld.

Der kleingewachsene alte Mann mit dem leichten Lächeln und den geröteten Backen fordert Direktzahlungen für die Ärmsten der Bedürftigen unter den alt gewordenen Überlebenden – nicht Gelder, die in der israelischen Staatskasse verschwinden. Jahrzehntelang stieß er mit seinen Forderungen bei Israels Behörden auf taube Ohren. Man schlug ihm auf die Schulter, sprach von Ehre und Würde, bediente sich des Holocaust für politische Zwecke – und tat nichts für dessen Opfer.

Erst jetzt schaffte der unermüdliche Kämpfer, der niemals mit der Faust auf den Tisch schlug, sondern freundlich mit dem Florett focht, das scheinbar Unmögliche. Die Regierung Olmert einigte sich mit Flug, dem niemand seine 82 Jahre glaubt, auf Auszahlung von Renten für die Bedürftigsten. Die Unterschriften unter dem Abkommen waren noch nicht trocken, da sprach der Pensioniertenminister Rafi Eitan offen aus, was wohl vor allem im Finanzministerium gedacht wurde: Deutschland solle größtenteils für die Finanzierung dafür aufkommen.

Eine Neuverhandlung der Wiedergutmachungsabkommen hatte der Minister nicht gefordert – wie fälschlicherweise berichtet worden war – aber viel Geld von der Bundesrepublik, mehrere hundert Millionen Euro. Auch Flug will viel Geld. Er attestiert, dass Deutschland „rund 60 Milliarden Euro“ Wiedergutmachungsgelder ausgezahlt habe, im Laufe der Jahrzehnte habe sich aber herausgestellt, dass mehr erforderlich sei.

Nicht nur sind viele der Holocaust-Überlebenden im hohen Alter pflegebedürftig geworden und auf teure Medikamente angewiesen. 180 000 der 250 000 in Israel lebenden Schoah-Opfer erhalten keine israelische Altersrente, sind Sozialhilfeempfänger, weil sie erst in den neunziger Jahren aus Osteuropa nach Israel eingewandert sind. Flug spricht für sie: „Wissen Sie, was eine Brille, ein Gehstock, ein Hörgerät kostet?“

Der Wirtschaftswissenschaftler Flug ist viel zu diplomatisch (er war tatsächlich auch israelischer Diplomat) um die Bundesregierung mit Ultimaten vor den Kopf zu stoßen. Er konfrontiert sie und jeden einzelnen deutschen Bürger nur mit einer einfachen Rechnung: 15 Euro pro Kopf und Jahr seien für die Wiedergutmachung aufgewendet worden. Oder aus Sicht der Holocaust-Opfer: Zu wenig zum Überleben.“Charles A. Landsmann

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