PORTRÄT NORAH AL FAYEZ, SAUDISCHE VIZEMINISTERIN: : "Wandel zum Besseren"

Die Entscheidung von König Abdullah, zum ersten Mal in der Geschichte Saudi-Arabiens eine Frau in die Regierung zu berufen, ist eine kleine Revolution von oben.

Martin Gehlen
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Foto: dpa

Sie dürfen nicht wählen und nicht Auto fahren. Egal, ob sie heiraten, verreisen, zum Arzt gehen oder einen Beruf ergreifen wollen, für alle Entscheidungen ihres Lebens müssen Frauen in Saudi-Arabien die Erlaubnis ihres „männlichen gesetzlichen Vormundes“ einholen – des Vaters, des Ehemanns, des Bruders oder manchmal sogar des eigenen Sohnes. In keinem Land der Welt sind Frauenrechte so eingeschränkt wie in der Ölmonarchie am Golf, die zu den engsten arabischen Verbündeten der USA gehört. Gemessen daran war die jüngste Entscheidung von König Abdullah, zum ersten Mal in der Geschichte des Landes eine Frau in die Regierung zu berufen, eine kleine Revolution von oben. Von der arabischen Presse in den höchsten Tönen gepriesen zeigt die Kabinettsumbildung des 84-jährigen Monarchen wohl eher, wie lang der Weg ist, den sein Wüstenreich bei Frauen- und Menschenrechten noch vor sich hat.

Für Norah al Fayez zumindest ist ihre Ernennung zur stellvertretenden Erziehungsministerin ein „Wandel zum Besseren“. Dies sei nicht nur eine Ehre für sie, sondern für alle saudischen Frauen, sagt sie. Zuständig ist die 52-Jährige jetzt für alle Bildungseinrichtungen für Frauen – Schulen, Privatinstitute und Universitäten. Saudische Mädchen dürfen erst seit den 60er Jahren zur Schule gehen. Die neue Ministerin war ihr ganzes Leben lang berufstätig. Norah al Fayez ist verheiratet und hat fünf Kinder. Geboren 1956 in dem Örtchen Shaqra nahe der Hauptstadt Riad, beendete sie 1978 ihr Studium an der König-Saud-Universität in Riad mit einem Diplom in Soziologie. In den USA studierte sie anschließend Pädagogik und schloss das Studium an der Utah State University 1982 mit einem Magister ab. Danach begann sie, in ihrer Heimat als Lehrerin zu arbeiten. Von 1989 bis 1995 lehrte sie als Professorin für Pädagogik, bevor sie in die Schulverwaltung wechselte. Seit 2001 ist sie Generaldirektorin für die Frauenabteilung im Institut für Öffentliche Verwaltung in Riad.

„Ihre Ernennung ist ein Schritt in die richtige Richtung“, lobt einer ihrer künftigen Mitarbeiter im Ministerium. Khaled al Radihan dagegen, Professor an der König- Saud-Universität, sieht das skeptischer: „Es gibt eine konservative Strömung in unserer Gesellschaft, die diese neue Situation nicht so einfach akzeptieren wird. Dies könnte sich vielleicht ändern, wenn die Vizeministerin ihr Können unter Beweis stellt und Erfolg hat.“ 

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