• PORTRÄT NURI AL MALIKI IRAKS MINISTERPRÄSIDENT:: „Die Verfassung erlaubt solche Angriffe nicht“

PORTRÄT NURI AL MALIKI IRAKS MINISTERPRÄSIDENT: : „Die Verfassung erlaubt solche Angriffe nicht“

Er hat schon viel erlebt. Jahrelang kämpfte Nuri al-Maliki gegen Saddam Hussein. Als der ihn zum Tode verurteilte, floh er ins Exil. Als Ministerpräsident des Irak bekleidet er eines der schwierigsten Ämter der Welt.

Martin Gehlen

Er hat schon viel erlebt. Jahrelang kämpfte Nuri al Maliki gegen Saddam Hussein. Als der ihn zum Tode verurteilte, floh er ins Exil. Als Ministerpräsident des Iraks bekleidet er eines der schwierigsten Ämter der Welt. Mehrfach schon hat er sich mit Präsident Bush öffentlich angelegt - so nannte er die Übergriffe von US-Soldaten auf irakische Zivilisten ein „tägliches Phänomen“. Doch was sich in den beiden letzten Tagen abgespielt hat, dürfte selbst diesem krisenerprobten Mann an seine eisernen Nerven gegangen sein. Vor zwei Jahren war der 58-jährige Politiker angetreten, um sein Land zu befrieden und in die Unabhängigkeit zu führen. Für dieses Ziel ging der studierte Literaturwissenschaftler gerade in den letzten Wochen innenpolitisch ein hohes Risiko ein, das auch mit seinem Sturz enden kann. Zwar handelte er nach monatelangem Ringen den Amerikanern mit Ende 2011 ein festes Rückzugsdatum ab. Aber vielen in seiner widerspenstigen Koalition stört in dem Vertragstext die mangelnde Kontrolle Bagdads über künftige US- Militäraktionen. Die Souveränität ihres Landes steht für sie nur auf dem Papier. Die martialische Hubschrauberaktion gegen Syrien gibt diesen Kritikern jetzt neuen Auftrieb – und das ausgerechnet einen Tag vor der entscheidenden Kabinettssitzung in Bagdad.

Und Maliki selbst ist desavouiert. Viele solcher Kommandoeinsätze haben am Ende nicht Terroristen getötet, sondern ganze Hochzeitsgesellschaften oder Großfamilien ausgelöscht. Das Risiko eines Fehlschlags ist unkalkulierbar hoch – und der politische Preis beträchtlich. Syrien beherbergt eine Million irakischer Flüchtlinge. Drei Wochen ist es her, dass der erste syrische Botschafter seit 26 Jahren in Bagdad seine Akkreditierung übergab. Jetzt wachsen wieder Misstrauen und Aggression, was Washington offenbar wenig kümmert. Eine Woche vor der Wahl seines Nachfolgers wollte Präsident Bush offenbar noch einmal ein drastisches Zeichen setzen. Das ist ihm gelungen, die Welt reagiert geschockt, Verbündete in der Region reiben sich entsetzt die Augen. Pentagon und Weißes Haus aber schweigen demonstrativ und überlassen es der irakischen Regierung, nach Worten zu suchen.

Dem überrumpelten Maliki blieb nur ein hilfloser Appell. 48 Stunden nach dem Luftschlag ließ er seinen Sprecher verkünden: „Die irakische Regierung stellt fest, dass die Verfassung einen solchen Angriff auf ein Nachbarland nicht erlaubt.“Martin Gehlen

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