PORTRÄT : Øystein Løseth: „Vattenfall ist wohl ein Grenzgänger“

Sein Vorgänger Lars G. Josefsson wurde von der schwedischen Regierung gefeuert, weil er angeblich zu wenig gegen den Klimawandel tat. Der neue Vattenfall-Chef Øystein Løseth soll jetzt das ramponierte Image des Staatskonzerns aufpolieren

von
331685_0_cddc21aa.jpg
Foto: dpaANP

Am heutigen Montag soll im Hause Vattenfall der Frühjahrsputz beginnen. Der umstrittene Chef Lars G. Josefsson verlässt den Konzern, für ihn rückt der Norweger Øystein Løseth nach. Er wird sich schnell mit Aufräumarbeiten beschäftigen müssen. Es geht darum, Vattenfall ein umweltfreundlicheres Profil zu verpassen und den zuletzt katastrophalen Ruf des schwedischen Staatsunternehmens aufzupolieren, das seit dem Kauf der Berliner Bewag 2003 auch Deutschlands drittgrößter Stromanbieter ist. Im Unterschied zu Josefsson, der in Schweden viele Fäden zog und in Stockholms Machtzirkeln lange als unantastbar galt, erhofft sich die schwedische Regierung von Løseth einen klaren Neuanfang.

Bis zuletzt hatte sich Josefsson gegen seine Abberufung gewehrt. Er hatte freie Hand, was die Konzernführung betraf – so lange er dafür sorgte, dass enorme Gewinne in die schwedische Staatskasse flossen. Doch zahlreiche Pannen in schwedischen und deutschen Reaktoren, einbrechende Umsätze in Deutschland und ein mangelhaftes Krisenmanagement schwächten seine Position. Im vergangenen Herbst konnte sich Wirtschaftsministerin Maud Olofsson mit ihrem Ablösungswunsch durchsetzen. Sie warf Josefsson vor, er agiere bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zu zaghaft und unterlaufe damit die Klimapolitik der schwedischen Regierung. Hinzu kam, dass er eigenmächtig eine uneingeschränkte Haftung für deutsche Reaktorunfälle unterzeichnet hatte, die bei einer Katastrophe den Konzernkonkurs herbeiführen könnte.

Von Øystein Løseth fordert Olofsson nun mehr Staatsgehorsam. „Dem neuen Chef muss es um die Verbesserung des Rufs und der Rentabilität und um die Umstellung auf grüne Energien gehen“, machte die Ministerin deutlich. Løseths Erfolg als Konzernchef wird auch davon abhängen, wie sehr Josefsson im Zorn geht, und ob er ihm viele Feinde im Konzern und weit darüber hinaus hinterlässt.

Løseth war vor seiner Berufung nach Stockholm Chef des zu 49 Prozent zu Vattenfall gehörenden Energieversorgers Nuon Energy in Holland. Er tritt deutlich bescheidener und weicher auf als sein Vorgänger. Überhaupt soll er besser zuhören können. Der neue Chef scheint sich durchaus im Klaren darüber zu sein, auf welche heikle Mission er sich bei Vattenfall einlässt. Im vergangenen Herbst sagte Løseth: „Vattenfall ist wohl ein Grenzgänger zwischen freiem Unternehmertum und der Politik. Das ist kompliziert.“ André Anwar

0 Kommentare

Neuester Kommentar