• PORTRÄT OLAFUR RAGNAR GRIMSSON PRÄSIDENT VON ISLAND: „Ich bin: Islands Alex Ferguson“

PORTRÄT OLAFUR RAGNAR GRIMSSON PRÄSIDENT VON ISLAND: „Ich bin : Islands Alex Ferguson“

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Islands Präsidentschaftswahl gilt vier Jahre nach dem wirtschaftlichen Totalzusammenbruch als Stimmungsbarometer bezüglich einer EU-Mitgliedschaft. Das Land weist wieder – dank Währungsentwertung gefolgt von blühendem Tourismus und Export – glänzende Wachstumsraten auf. Das kommt dem amtierenden und EU-kritischen Präsidenten Olafur Ragnar Grimsson zugute. Dem 69-Jährigen wird die Wiederwahl mit über 50 Prozent der Stimmen vorausgesagt. Noch zum Jahreswechsel hatte er seinen freiwilligen Abtritt angekündigt. Doch von der angedeuteten Müdigkeit ist nun keine Spur mehr. Im Gegenteil: „Ich bin Islands Alex Ferguson“, sagte der ruppige alte Wikinger-Präsident am Mittwoch.

Grimssons stärkster und EU-freundlicher Konkurrentin, der TV-Journalistin Thora Arnorsdottir (36), werden kaum noch Chancen eingeräumt. Ihr bleibt die Hoffnung, dass Politik auf Island letztlich unvorhersehbar ist.

Eine Erklärung für die Popularität des an sich linken Grimsson bei den Rechts-Konservativen ist sein EU-Widerstand. 2010 hatte das Parlament unter der Führung der EU-freundlichen Sozialdemokraten einen für Island ungünstigen Rückzahlungsvertrag für die umfangreichen Schulden der Icesavebank an die Niederlande und Großbritannien ratifiziert. Nur Grimssons, damals von den Medien als cholerisch verrückt erklärtem Veto gegen diesen Beschluss, mit anschließendem Nein-Volksentscheid, ist es zu verdanken, dass die Isländer einen Großteil ihrer Schulden nicht zurückzahlen werden.

„Die Schulden der Bank Icesave an ausländische Länder zurückzuzahlen, ist nicht Aufgabe der Steuerzahler Islands“, hatte der Präsident damals gesagt. Die Isländer wollen, dass er auch in Zukunft ein ähnlich starkes Rückgrat beweist. Verständlich. Denn auf der Insel trifft sich, für Grimsson recht günstig, linker Idealismus mit rechtem Island-Patriotismus. Der Stolz und das Unabhängigkeitsgebaren kommen an, vor allem bei den Fischern, die heute wieder ein erfolgreicher Faktor der isländischen Wirtschaft sind.

Grimssons Konkurrentin Arnorsdottir hat vor allem Unterstützung in der Hauptstadt Reykjavik bei linken, grünen und sozialdemokratischen Establishment-Yuppies und hier vor allem bei jüngeren Frauen und Akademikern. Doch in einer zentralen Frage hält sie sich bedeckt. Eigentlich ist sie für die EU und für einen Beitritt Islands. Aber damit bekommt sie derzeit keine Wähler. André Anwar

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