Porträt : Ole von Beust: "Son büschen Kuddelmuddel"

Ex-Bürgermeister Ole von Beust mischt wieder lustig mit in diesem verlorenen Wahlkampf und vermittelt die Botschaft: Mit mir wär’ das nicht passiert.

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Ole von Beust.
Ole von Beust.Foto: dpa

Hamburgs CDU demonstriert in diesen Tagen ein merkwürdiges Verhältnis zur Realität. In einem Wahlspot wird eine Stadtrundfahrt simuliert, in der ein Stadtführer von den großen Erfolgen der CDU redet. An einer Stelle kommt Ole von Beust ins Bild, isst eine Wurst am Imbiss, und der Stadtführer sagt fröhlich: „Hier bekommt jeder schnell wieder Arbeit.“

Selbstironie, Schönrednerei? Man weiß es nicht so genau, aber auf jeden Fall mischt Ole von Beust wieder lustig mit in diesem verlorenen Wahlkampf und vermittelt die Botschaft: Mit mir wär’ das nicht passiert. Ist es aber. Genau genommen war es Beust selbst, der einen großen Teil der Schuld daran trägt, dass die Partei von einst 47,2 Prozent, der absoluten Mehrheit im Jahr 2004, auf nunmehr gut 23 Prozent abgestürzt ist. Und dass ihr amtierender Bürgermeister Christoph Ahlhaus so gut wie chancenlos dasteht. 23 Prozent wären das schlechteste Wahlergebnis der CDU-Hamburg seit 1945.

Carl-Friedrich Arp Ole Freiherr von Beust war zwar in seiner fast neunjährigen Amtszeit parteiübergreifend beliebt und hat die CDU als moderne Großstadtpartei etabliert, sie sogar zu einem Bündnis mit den Grünen bereit gemacht. Aber als es schwierig wurde, als er politische Führung hätte zeigen müssen, in der Krise nämlich, als die Schulreform am Bürgerwillen scheiterte, da ist er gegangen; man kann auch sagen: geflüchtet.

Seine Partei hatte er auf sich ausgerichtet, die Koalition mit den Grünen wollte vor allem er. Die Schulreform wollte Beust gegen seine Partei und deren Klientel durchdrücken und sich als Bürgermeister aller sozialen Schichten feiern lassen. Am Ende, als er ging, hat er nicht für eine ordentliche Nachfolge gesorgt. Der Parteiapparat funktionierte nicht. Er wusste, es gibt Flügelkämpfe, er wusste, dass Christoph Ahlhaus keine Hausmacht besaß. Er überließ die Partei sich selbst.

Vielleicht war ihm die Liebe wichtiger, aber kann das ein Grund gewesen sein? Vielleicht hatte er nur keine Lust mehr. Am Tag, als Ahlhaus seine Regierungserklärung hielt, stellte Beust, 55, sich und seinen jungen Geliebten,19, in einer Edel-Boutique zur Schau. Nichts zu bereuen, keine Verantwortung? Beusts Antwort darauf lautete kürzlich: Das sei eine hypothetische Kausalität, „die ich menschlich nachvollziehen kann, die aber wirklich jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt“. Es gebe nun halt „son büschen Kuddelmuddel“. Armin Lehmann

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