PORTRÄT PARO JAPANISCHER ROBOTER-SEEHUND : „Gurrr, gurrr, gurrr“

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Gibt es etwas Beruhigenderes als eine Katze, die auf dem Schoß liegt, gestreichelt werden will und dabei wohlig schnurrt? Studien haben ergeben, dass das viel besser ist für die Ausgeglichenheit als ein Ehemann, der abends nach Hause kommt. Aber Katzen sind manchmal zickig.

In der japanischen Hafenstadt Kesennuma, die vor einem Jahr vom Tsunami zerstört wurde, werden jetzt kleine Roboter verteilt. „Paro“ heißen sie, es sind Plüschseehunde. „Paro“ hat optische und haptische Sensoren. „Er ist so süß – er gurrt, wenn ich ihn kraule“, schwärmt der zehnjährige Kosei. Außerdem wedelt Paro mit den Flossen. Der Roboter soll den Traumatisierten des Tsunami-Unglücks helfen, ihnen Zuwendung geben. Dass die Roboter erst jetzt eingesetzt werden, hat damit zu tun, dass es anfangs den Menschen emotional relativ gut ging, als sie zusammengepfercht in Notunterkünften lebten. Die Enge schuf Nähe und Zusammengehörigkeit.

Schlimm wurde es erst später, als die Menschen eigene Wohnungen bekamen und auf sich gestellt waren. Da kroch die innere Einsamkeit und das Erlebte in ihnen hoch. Wissenschaftler wollen mit Paro die Auswirkungen der Katastrophe auf die Psyche lindern.

Die Japaner haben kaum Berührungsängste gegenüber Robotern. Immer mehr davon ziehen in Haushalte und andere Einrichtungen ein. An Grundschulen werden sie im Test als Lehrerinnen eingesetzt. Sie haben, wie es heißt, weniger Disziplinprobleme, weil die Schüler sich in einen Roboter besser einfühlen können als in eine Lehrerin und nicht wollen, dass er versagt. Die Japaner schickten auch schon einen Roboter als Gastdirigenten nach Detroit, wo er das Symphonieorchester leitete.

In Japan fehlt es eben überall an Fachkräften. Und an Sexpartnern. Doch auch dafür gibt es längst einfühlsame Geräte. In Japan müssen Roboter nicht für ihre Emanzipation kämpfen. So wies die Theaterleitung in Osaka darauf hin, dass die Schauspielroboter gleichberechtigt neben den anderen Schauspielern eingesetzt werden.

Vielleicht will das Land einen Aufstand verhindern, mit dem der Computer „Hal“ in Kubricks „Odyssee im Weltraum“ einst eine wunderschöne Katastrophe inszenierte. Nur eines haben die Japaner noch nicht verstanden. Menschen werden erst liebenswert, wenn sie kleine Fehler haben, ein bisschen zickig sind, schwierig. Japanische Roboter aber haben keine Fehler. Das ist wohl eine grundlegende Fehlkonstruktion. Andreas Oswald

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