• PORTRÄT PATER TADEUSZ RYDZYK CHEF VON RADIO MARYJA: „Du Hexe. Dir werd ich es geben“

PORTRÄT PATER TADEUSZ RYDZYK CHEF VON RADIO MARYJA : „Du Hexe. Dir werd ich es geben“

Der konservative Katholik hat einen Radiosender, einen Fernsehsender und eine Tageszeitung. Jetzt vertreibt er auch noch Handys.

Knut Krohn

Den direkten Draht in den Himmel bietet Pater Tadeusz Rydzyk nicht. Dafür können seine Kunden allerdings gratis bei „Radio Maryja“ anrufen, dem Herzen seines katholischen Medienimperiums. Der umstrittene Redemptoristen-Prediger startet in diesen Tagen in Polen ein neues Mobilfunknetz und erweitert auf diese Weise überraschend das Geschäftsfeld und auch seine bereits sehr weitreichende Macht.

Wie alles im Reich des medialen Multitalents ist die Sache wohldurchdacht. Das Handy-Angebot ist passgenau auf die Anhängerschaft des erzkatholischen Rydzyk abgestimmt. Die neuesten und komplizierten Mobiltelefone stehen nicht ganz oben im Angebot, schließlich zählen vor allem Menschen weit jenseits der 60 zu seiner treuen Gemeinde, die in der Vergangenheit nicht gerade durch extensive Downloads von Musik, Spielen oder Klingeltönen aufgefallen wäre. Dafür wird von dem neuen Anbieter mit dem sprechenden Namen „w rodzinie“ („in der Familie“) aber ein besonderer Service angeboten: Zu Zeiten von Pilgerreisen sind die Gespräche besonders billig.

Seit der Gründung von „Radio Maryja“ im Jahr 1991 hat Tadeusz Rydzyk sein Imperium sukzessive ausgebaut. Dazu zählen inzwischen auch der Fernsehsender „Trwam“ („Ich beharre“), die katholisch-nationalistische Tageszeitung „Nasz Dziennik“ und ein weitverzweigtes Netz von Stiftungen und Lehreinrichtungen. Es heißt, dass allein ein bis zwei Millionen Menschen regelmäßig „Radio Maryja“ hören, wo in der Regel religiöse Sendungen mit nationalistischer Propaganda und einem erzkonservativen Weltbild zusammengemischt werden.

Pater Rydzyks Ruf außerhalb seiner Gemeinde ist allerdings reichlich angeschlagen. Erzählt wird, dass er vor Studenten seiner Medienakademie wiederholt zu antisemitischen Tiraden ausgeholt habe. Über den amtierenden polnischen Präsidenten Lech Kaczynski habe der Pater gewettert, dieser sei der „jüdischen Lobby“ ergeben, und dessen Frau habe er als „Hexe“ bezeichnet. Grund des Zorns: Maria Kaczynska war einst öffentlich gegen eine weitere Verschärfung des in Polen sehr rigiden Abtreibungsrechtes eingetreten. Konsequenzen für seine verbalen Ausfälle musste Rydzyk bisher allerdings nicht fürchten – was durchaus Rückschlüsse auf seine ausgezeichneten Beziehungen bis in die höchsten Ebenen der Macht in Staat und Kirche Polens zulässt. Knut Krohn

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