Porträt : Patricia Riekel: „Warum peinlich bloßstellen?“

Die "Bunte"-Chefin berichtet gern über andere. Jetzt ist sie selbst in den Schlagezeilen - wegen einer Ausspähaktion

von
325767_0_dd2263b0.jpg ddp
Foto: ddpddp

Patricia Riekel kann sehr blond sein. Über unlautere Methoden sei „Bunte“ nichts bekannt, ließ die Chefredakteurin verlauten, als der „Stern“ über Ausspähaktionen der Agentur CMK im Privatleben deutscher Spitzenpolitiker wie Oskar Lafontaine und Franz Müntefering berichtet hatte. Der Auftrag für den „Investigating Reporting Service“ kam von der „Bunten“, denn, so beharrt die „Bunte“-Chefredaktion, Spitzenpolitiker hätten eine Vorbildfunktion. Ihr Privatleben sei für die Öffentlichkeit von Bedeutung, weil sie „Leitfiguren unseres Wertesystems“ seien.

Patricia Riekel versteht sich als Leitfigur im People-Journalismus. Seit 1997 ist sie Chefredakteurin der „Bunten“, unter ihrer Leitung ist das Wochenblatt von Hubert Burda Media zum Zentralorgan des Klatsches emporgewachsen. In all den Geschichten geht es um privates Glück und Unglück von Personen und Persönlichkeiten, die die Öffentlichkeit kennt. Der Auflagenerfolg folgt der richtigen Leitlinie, dass Menschen an nichts so stark Anteil nehmen wie an anderen Menschen. Was einst bevorzugt den Adel erfasste, erfasst längst die gesamte Prominenz: die permanente Betreuung, rund um die Uhr, mit schmusigen Worten im Sinne einer Win-Win-Kooperation. Die „Bunte“ will exklusiv berichten, das soll ein Alleinstellungsmerkmal sein. Wie sich aktuell zeigt, ist reines Mitgefühl nicht immer zielführend; dann eben wird die Recherche ausgesourct und es wird fremdgeschmuddelt. Jetzt ist Kuschelland erst mal abgebrannt.

Patricia Riekel ist nicht die bösartige Mutter Courage der Boulevardkompanie. Die „Bunte“ will zwar die Instinkte ihres Publikums füttern, trotzdem soll in jeder traurigen Geschichte der Schmerz die Grundmelodie spielen. Im Editorial der aktuellen „Bunte“-Ausgabe schreibt die Chefredakteurin über den Streit der Fortell-Brüder: „Warum muss der eine jetzt den anderen im Internet peinlich bloßstellen? Warum kann der andere nicht nobel die Hand zur Versöhnung ausstrecken?“ Patricia Riekel will mit der „Bunte“ Frieden stiften, all die Storys über Streit, Hader und das Böse im Zwischenmenschlichen machen ihr Kummer (und bringen die Auflage).

Im eigenen Privaten scheint es bei der Journalistin zum Besten bestellt. Seit langen Jahren ist die Sechzigjährige Lebensgefährtin von Helmut Markwort, Gründer und Noch- Chefredakteur des „Focus“. Eine Beziehung zweier barock ausgelegter Menschen. Und für die „Bunte“ interessanterweise kein Thema.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar