PORTRÄT PETER KOWALSKY, BIONADE-CHEF: : „Von einem Trend kann man nicht leben“

Wer bei Coca-Cola Begehrlichkeiten weckt, hat eigentlich schon gewonnen. Wer dann noch wie Peter Kowalsky dankend ablehnt, muss sich seiner Sache ziemlich sicher sein.

Lisa Wandt

Wer bei Coca-Cola Begehrlichkeiten weckt, hat eigentlich schon gewonnen. Wer dann noch wie Peter Kowalsky dankend ablehnt, muss sich seiner Sache ziemlich sicher sein. Zumal seine Sache nur eine Limonade ist: die Bionade. Der fruchtig-herbe Softdrink aus biologischem Anbau ist in nur wenigen Jahren zur Volksbrause aufgestiegen. 30 Prozent der Deutschen kennen das Kultgetränk aus dem fränkischen Städtchen Ostheim. Die Marke Bionade steht damit auch für die Befreiung der Ökobranche aus der Müslinische – rein in die gesundheitsbewusste Mitte.

Ein Grund, warum die Umweltstiftung WWF und das Magazin „Capital“ den 39-jährigen Brauingenieur Kowalsky am Mittwoch zum „Ökomanager des Jahres“ tauften – wie einst Adidas-Chef Herbert Hainer oder Babykost-Hersteller Claus Hipp. Noch aber passt Kowalsky nicht in die Reihe der Großunternehmer; mit seinem blonden Kraushaar und dem fränkischen Dialekt wirkt er bodenständig. Ganz im Gegensatz zu all den hippen Menschen in Hamburg und Berlin, denen er den Aufstieg seiner Limo zu verdanken hat.

In einem Hamburger In-Lokal ging die erste Bionade über die Theke, kurz darauf griffen auch Berliner Kneipen zu. Heute gibt es kaum noch Getränkehändler, Diskos oder Bars, die ohne Bionade auskommen. Auch Ikea oder McCafé von McDonald’s verkaufen die Ökolimo von der Rhön. In diesem Jahr werden erstmals mehr als 200 Millionen Flaschen abgefüllt, 2006 waren es 70 Millionen, drei Jahre zuvor nur 2 Millionen.

Dabei stand die 1827 gegründete Brauerei „Peter-Bräu“ Anfang der 90er Jahre schon am Rande des Ruins. Bis Kowalskys Stiefvater Dieter Leipold im Jahr 1995 nach jahrelanger Tüftelei die Rettung entwickelt hatte: jene wie Bier gebraute, alkoholfreie Brause. Zunächst wollte die zwar niemand haben, aber Peter Kowalsky klammerte sich an seine Limo, ging von Händler zu Händler, von Wirt zu Wirt – und hatte Erfolg. Zurzeit plant der 39-Jährige den Export nach Amerika.

Ökoträumer sprechen schon von einer „Bionadisierung der Gesellschaft“, von einer Ökolimo, die eine Lebenshaltung verkörpere: hip, gesund, international. Und Bio. Weil mit Bio aber viele noch immer Leute verbinden, die unförmige Leinenkleider tragen, soll die Bionade künftig mehr Normalität verkörpern. Ein weniger „hippes Image“ müsse her, sagte Kowalsky. „Denn von einem Trend kann man nicht leben.“Lisa Wandt

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