• PORTRÄT PETER-MICHAEL HAEBERER BERLINS LKA-CHEF:: „Ich wollte eine Diskussion anstoßen“

PORTRÄT PETER-MICHAEL HAEBERER BERLINS LKA-CHEF: : „Ich wollte eine Diskussion anstoßen“

Hat er Berliner Autobesitzern eine Mitschuld gegeben, dass ihre Nobelkarossen abgefackelt werden? Der Chef des Landeskriminalamtes, Peter-Michael Haeberer, steht in der Kritik.

Tanja Buntrock
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Peter-Michael HaebererFoto: Thilo Rückeis

In der Berliner Polizeibehörde schlagen sie die Hände über ihren Köpfen zusammen. Was hat den Chef des Landeskriminalamtes, Peter-Michael Haeberer, (64) da bloß am Montag im Innenausschuss geritten? „Ein schlechter Vergleich, der uns nur Ärger beschert“, jammert ein Beamter. „Eine Katastrophe“, befindet ein anderer. Dabei sei der höchste Kriminalbeamte der Stadt doch eigentlich ein „absoluter Fachmann“. Einer, der nie die Aufmerksamkeit der Medien sucht. Im Gegenteil, sie am liebsten nicht zu nah an sich und seine Ermittler heranlässt („Keine Personality-Geschichten über meine Mitarbeiter“).

Was war passiert? Inmitten seines 58-minütigen Vortrags zum Thema Linksextremismus und politisch-motivierte Brandanschläge auf Luxusautos, sagte Haeberer zwischen zwei Bildern seiner Präsentation: „Würde ich meiner Frau einen Brillantring kaufen, und sie würde ihn unter einer Laterne liegen lassen, würde ich mich auch wundern.“

Zwar hatte er damit den Autobesitzern nicht direkt die Mitschuld daran gegeben, dass seit nunmehr drei Jahren regelmäßig vor allem in Kreuzberg und Friedrichshain teure Fahrzeuge angezündet werden. Aber deuten konnte man den Satz durchaus so. Zumal Polizeipräsident Dieter Glietsch vor nicht allzu langer Zeit sinngemäß gesagt hatte, Porsche-Fahrer sollten ihren Wagen besser nicht in Kreuzberg abstellen. Kapituliert die Polizei also vor den Linken? Oder wie dürfen Fahrer teurer Autos den Ratschlag, sie sollten ihren Wagen besser in einer „verschließbaren Garage“ abstellen, deuten?

Für Haeberers Vergleich hat der Partei- und Fraktionschef der CDU, Frank Henkel, sofort ein paar heftige Worte parat: „Er unterstreicht damit seine eigene Hilflosigkeit und macht Opfer zu Tätern“, wettert Henkel. Aufgrund dieser „inakzeptablen und dummen Bemerkung“ müsse sich der LKA-Chef „schon fragen lassen, auf welcher Seite des Gesetzes er eigentlich steht“. Seit Jahren werfen Henkel und seine Fraktion den Verantwortlichen in der Behörde vor, nicht genug gegen die Anschläge zu unternehmen.

Und Haeberer? Der sagt, mit der „provokanten Analogie“ sollte der Blick auf „ein Kernelement der Prävention“ gelenkt werden – nämlich auf die „verantwortungsbewusste Sicherung des Eigentums“. Er habe damit eine Diskussion anstoßen wollen, weil sich sonst niemand für die Präventionsratschläge der Polizei interessiere. Das ist ihm nun gelungen. Tanja Buntrock

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