Porträt : Peter Tatchell, Anti-Papst-Aktivist

Zu tun hat Großbritanniens bekanntester Bürgerrechtler und „LGBT Aktivist“ (Lesben, Gays, Bi- und Transsexuelle) in den kommenden Tagen genug. Er wird den Papstbesuch agierend und kommentierend begleiten.

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Zur Verhaftung des Heiligen Vaters wird es nicht kommen. Das hat Peter Tatchell dem Erzbischof von Westminster schon vor Beginn des Papstbesuchs bei einem „Friedensgespräch“ versprochen. „Es ist ein Staatsbesuch, der Papst genießt diplomatische Immunität, da würde eine Bürger-Verhaftung nicht klappen“, erklärte Tatchell. Bei solchen Verhaftungen kennt Tatchell sich aus. Britische Bürger haben das Recht, sogar die Pflicht, Rechtsbrecher, wenn Gefahr für die öffentliche Ordnung besteht, durch symbolische Handauflegung zu verhaften. Tatchell hat das schon zweimal mit Robert Mugabe versucht.

Zu tun hat Großbritanniens bekanntester Bürgerrechtler und „LGBT Aktivist“ (Lesben, Gays, Bi- und Transsexuelle) in den kommenden Tagen auch so genug. Er wird den Papstbesuch agierend und kommentierend begleiten. Am Samstag führt er die „Demo gegen die Intoleranz des Papstes“ an. Mit Mitstreitern wie dem militanten Atheisten Richard Dawkins, Autor des Buches „Der Gotteswahn“, will er die Gläubigen, die sich dann zum Abendgebet mit dem Papst im Hyde Park versammeln, moralisch erschüttern.

Im Geiste hat Tatchell den Papst schon oft verhaftet. Der „Guardian“ veröffentlichte am Mittwoch einen von Tatchell und Dawkins initiierten, von 50 Prominenten und Intellektuellen unterzeichneten Leserbrief, in dem er schrieb: „Papst Ratzinger sollte nicht die Ehre eines Staatsbesuchs in unserem Lande erhalten“. Die Begründung hatte er in einer im TV-Sender Channel 4 ausgestrahlten Dokumentation geliefert, die „den persönlichen, religiösen und politischen Weg des Papstes seit 1930“ verfolgte und Benedikts XVI. Äußerungen zum Islam, zu Homosexualität, Empfängnisverhütung, Frauenrechten, Stammzellforschung, Abtreibung, künstliche Befruchtung und natürlich dem Pädophilenskandal in der katholischen Kirche an den Pranger stellte.

Britische Katholiken sind entsetzt – und resigniert. „Tatchell weiß so gut wie nichts über die katholische Kirche“, beschwerte sich der Bischof von Paisley. „Dieser Film bestätigt, was der Vatikan wohl schon weiß. Wir sind ein zutiefst antikatholisches Land“, so die Tory-Politikerin Anne Widdecombe. Dabei wächst die Zahl der Katholiken auf der Insel, prominentester Konvertit ist Ex-Premierminister Tony Blair.

Während der deutsche Kardinal Walter Kasper kontrovers gegen Großbritanniens „aggressiven Atheismus“ wetterte, stellte Großbritanniens höchster Katholik, der Erzbischof von Westminster, milde fest: „Die Terroranschläge von 2001 und 2003 haben die Einstellung der Menschen gegenüber allen Religionen verändert. Die Briten wollen eben eine neutrale, säkulare Öffentlichkeit“. Matthias Thibaut

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