Porträt Petra Diroll : Designierte Sprecherin des Präsidenten

31.05.2010 19:03 UhrVon Antje Sirleschtov
Petra Diroll Foto: dpa
Petra Diroll - Foto: dpa

Petra Diroll hat dem Bundespräsidenten im Präsidialamt dabei zugesehen, wie er sein Amt mit sofortiger Wirkung aufgab - und damit automatisch dafür gesorgt hat, dass sie ihres gar nicht erst antreten kann.

Das Wort ist dem Bundespräsidenten von den Vätern des Grundgesetzes als einzige, dafür aber scharfe Waffe gegeben worden. Wann, wie und worüber sich das deutsche Staatsoberhaupt äußert, wird daher von der Öffentlichkeit mit großem Interesse wahrgenommen. Manchem Amtsinhaber war der Umgang mit dem Wort – ob mündlich oder schriftlich – gegeben. Ihnen dienten ihre Pressesprecher vor allem als Berater, Begleiter.

Horst Köhler hat mehrere Wochen ohne einen Sprecher verbracht, der langjährige Amtsinhaber Martin Kothé hatte einen Job in der Wirtschaft dem Bundespräsidialamt vorgezogen. Als Anfang Mai bekannt wurde, dass Petra Diroll am 1. Juni seine Nachfolge als Sprecherin von Köhler antreten würde, schlug der 43-jährigen, auch in schwierigen Situationen fröhlich auftretenden Frau zunächst vor allem besorgter Respekt ihrer Umgebung entgegen.

Köhler galt denen, die ihn seit Jahren beobachtet hatten, weder als Virtuose des Wortes noch als über Gebühr für erfahrenen Rat empfänglich. Es sollte ein schwerer Job werden, den die erfahrene Journalistin antreten wollte. Sie wusste das, sah allerdings die Chance, mit ihren Talenten zu einem Ansehensgewinn des ersten Mannes im Staate beitragen zu können.

Diroll gehört zu den politischen Korrespondenten in der Hauptstadt, die kenntnisreich und engagiert den politischen Gang der Dinge beobachten. Seit vielen Jahren hat sie für den Bayerischen Rundfunk und andere Anstalten der ARD, später auch im Generalsekretariat der ARD, gearbeitet. Sieben Jahre lang war sie Vorstandsmitglied der Bundespressekonferenz, dem Zusammenschluss der Hauptstadtkorrespondenten. Diroll überzeugte in dieser Rolle vor allem durch ihren Einsatz zur Steigerung der Popularität des Vereins.

Am Montagnachmittag hat Petra Diroll dem Bundespräsidenten im Präsidialamt dabei zugesehen, wie er sein Amt mit sofortiger Wirkung aufgab und damit automatisch dafür gesorgt hat, dass sie ihres gar nicht erst antreten kann. Man könnte sagen, sie ist das erste und das unmittelbarste Opfer dieses Tages. Ob Petra Diroll das so sieht? Nach all dem, was sie in der zurückliegenden Woche miterleben musste – einen Präsidenten, der irritierende Interviews gibt, dafür kritisiert wird und sich dann später sogar selbst korrigiert –, mag sie diesem nicht angetretenen Job auch einen positiven Sinn abgewinnen.

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