Porträt : Petros Christodoulou: „Es wird eine Roadshow geben“

Ohne ihn geht Griecheland pleite: In diesem Jahr muss Petros Christodoulou 54 Milliarden Euro einsammeln

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Rechtzeitig vor dem Osterfest gelang es Petros Christodoulou, an den Kapitalmärkten knapp 5,4 Milliarden Euro einzusammeln. Damit hat der Chef der staatlichen griechischen Schuldenagentur (PDMA) erst einmal genug Geld aufgetrieben, um den Finanzbedarf des griechischen Staates für den Monat April zu decken. Auf Christodoulou ruhen jetzt nicht nur die Hoffnungen von Finanzminister Giorgos Papakonstantinou, der den 50-Jährigen Mitte Februar zum obersten Schuldenmanager berief, sondern die der ganzen Nation. Christodoulou soll die Schulden des Landes so verwalten, dass der Staat flüssig bleibt, Gehälter, Renten und Rechnungen zahlen kann und überdies seine Gläubiger pünktlich mit Zinsen bedient.

Bevor er in sein Büro in der Athener Homer-Straße einzog, war Christodoulou Vorstand bei der größten Geschäftsbank des Landes, der National Bank of Greece (NBG). Während die NBG eine Bilanzsumme von 113 Milliarden Euro aufweist, beläuft sich der Schuldenberg Griechenlands auf rund 300 Milliarden. Das entspricht etwa 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), doppelt so viel, wie im EU-Stabilitätspakt als Obergrenze vorgeschrieben ist. Bevor Christodoulou daran denken kann, diesen Berg abzutragen, muss er neue Schulden machen. Mindestens 54 Milliarden Euro soll er in diesem Jahr besorgen – zu möglichst günstigen Konditionen. Das ist nicht leicht, denn die Anleger verlangen kräftige Risikozuschläge, bevor sie zu griechischen Staatsanleihen greifen. Anfang April werde es „eine Roadshow geben“, sagt Christodoulou, auf der er für seine Anleihen werben will.

Er weiß, wie die Märkte ticken. Nach dem Studium in Athen machte er seinen Master in Finanzwissenschaften an der New Yorker Columbia Universität. Seine berufliche Karriere führte ihn von Credit Suisse First Boston in London über Goldman Sachs und JP Morgan zur NBG. In Athener Finanzkreisen genießt Christodoulou hohes Ansehen. Aber es hängt natürlich nicht nur von seinem Geschick ab, zu welchen Konditionen sich Griechenland jetzt Geld leihen kann. Das Vertrauen der Finanzmärkte in das Land ist erschüttert. Daran hat auch das von der EU geschnürte Rettungspaket nicht viel geändert, wie die nach wie vor hohen Renditen der Griechen-Bonds zeigen. Nachhaltig sinken werden sie wohl erst, wenn das Konsolidierungsprogramm der Regierung greift – in einigen Monaten. So lange kann Christodoulou nicht warten.

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