PORTRÄT PHILIP MURPHY US-BOTSCHAFTER IN SPE: : "Streit trage ich in der Umkleide aus"

Er spricht Deutsch. Und er hat einige Jahre in Frankfurt verbracht. Das unterscheidet Philip Murphy von seinen beiden unmittelbaren Vorgängern, falls er tatsächlich neuer US-Botschafter in Berlin wird. Die Gerüchte verdichten sich, nicht nur in Deutschland.

Christoph von Marschall
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Foto: promo

Er spricht Deutsch. Und er hat einige Jahre in Frankfurt verbracht. Das unterscheidet Philip Murphy von seinen beiden unmittelbaren Vorgängern, falls er tatsächlich neuer US-Botschafter in Berlin wird. Die Gerüchte verdichten sich, nicht nur in Deutschland. Am Wochenende hat erstmals ein US-Medium den 52-Jährigen als Barack Obamas künftigen Mann in Berlin vorgestellt. Es war die „Washington Post“, das verleiht der Prognose Gewicht.

Ansonsten passt sich Murphy in das Muster ein, dem schon George W. Bush bei der Auswahl der Botschafter für die wichtigsten Partnerländer folgte: kein Karrierediplomat, sondern jemand, dem der Präsident für politische oder finanzielle Unterstützung dankbar ist. In Bushs Fall war das erst Dan Coats, vormals republikanischer Senator aus Indiana. Und dann der Unternehmer William Timken, der mehrere Millionen Dollar Wahlspenden für die Bushs organisierte und eine international operierende Firma für Kugellager in Ohio besitzt. Murphy war seit 2006 Finanzchef der Demokratischen Partei und hat so indirekt zu Obamas Wahlsieg beigetragen. Unter ihm bekamen die Demokraten erstmals seit langem wieder höhere Spenden aus der Wirtschaft als die Republikaner.

Aus amerikanischer Sicht hat diese Verquickung – ein politisches Amt für finanzielle Dienste – keinen schlechten Beigeschmack. Die Auswahl stellt sicher, dass der Botschafter ein offenes Ohr beim Präsidenten findet. Bevor Murphy, Vater von vier Kindern, in die Politik wechselte, arbeitete er mehr als zwanzig Jahre für die Investmentbank Goldman Sachs. In den neunziger Jahren managte er deren Deutschlandgeschäft. Er gehörte aber auch seit der Gründung des Center for American Progress (CAP) zu dessen Aufsichtsgremium und Großspendern. Aus diesem Thinktank stammen viele Vordenker der Obama-Regierung.

Als Finanzchef der Demokraten musste Murphy bereits diplomatisches Geschick beweisen. Als er 2006 dorthin wechselte, wünschte Parteichef Howard Dean eine Strategie für alle 50 Bundesstaaten. Andere Parteigrößen bevorzugten die Konzentration auf Regionen, wo die Demokraten viele Anhänger haben. „Ich trage solchen Streit in der Umkleidekabine aus, nicht öffentlich“, sagte Murphy damals. Er kombinierte die Arbeit in Hochburgen der Demokraten mit der Ansprache persönlicher Freunde in republikanischen Staaten wie Alabama, Georgia und Mississippi. Christoph von Marschall

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