• PORTRÄT PIERRE BERGE BALD „LE MONDE“-AKTIONÄR:: „Nicht vor dem Präsidenten strammstehen“

PORTRÄT PIERRE BERGE BALD „LE MONDE“-AKTIONÄR: : „Nicht vor dem Präsidenten strammstehen“

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Die Abstimmung glich einem Plebiszit. Mehr als 90 Prozent der Journalisten sowie der Verlagsmitarbeiter der Pariser Zeitung „Le Monde“ stimmten für das Angebot, das der Kulturmäzen Pierre Bergé mit seinen Partnern, dem Bankier Mathieu Pigasse und dem Internetunternehmer Xavier Niel, zur Rettung des angesehenen, aber hoch verschuldeten Blattes vorgelegt hatte. Es biete größere Garantien für das Fortbestehen der Zeitung als die Gegenofferte von Claude Perdriel, dem Verleger der linken Wochenzeitschrift „Le nouvel observateur“, erklärte die Redakteursgesellschaft.

Mit den anderen Verlagsmitarbeitern hält sie derzeit noch mehr als die Hälfte der Anteile an dem Blatt. Mit diesem Votum werden die Mitarbeiter auf der für diesen Montag Nachmittag anberaumten Sitzung des Aufsichtsrats den Ausschlag für die Aufnahme exklusiver Verhandlungen mit Bergé und seinen beiden Partnern geben.

Dass Redakteure und Mitarbeiter den Investoren Bergé, Niel und Pigasse den Vorzug vor Perdriel gaben, der bereits 1,75 Prozent der Anteile hält und sich mit einem anderen „Monde“- Aktionär, dem Spanier Juan Luis Cebrian („El Pais“), und Richard Stéphane, dem Chef des Télécom-Konzerns Orange, zusammengetan hatte, lag wohl nicht allein am besseren Angebot. Den Ausschlag für das Votum dürfte die Einmischung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy gegeben haben. Er hatte bei „Le Monde“-Direktor Eric Fottorino gegen das Bergé-Trio interveniert, die Streichung schon zugesagter Subventionen für die Modernisierung der „Monde“-Druckerei angedroht und damit, wie sich nun zeigt, genau das Gegenteil erreicht. „Eine Zeitung hat nicht vor dem Staatspräsidenten strammzustehen“, sagte Bergé unter dem Beifall der Zuhörer bei der Vorstellung seines Projekts.

Mit dem Engagement bei „Le Monde“ schlägt der knapp 80-jährige Bergé in seinem Leben als Mäzen der Pariser Kulturszene und Sponsor der politischen Linken ein neues Kapitel auf. Als junger Buchhandelsgehilfe war er rasch mit Autoren wie Anouilh, Cocteau, Aragon oder Breton bekannt geworden. Er wurde Partner im Geschäft wie im Leben des sechs Jahre jüngeren Modeschöpfers Yves Saint-Laurent. Präsident Mitterand machte ihn von 1988 bis 1993 zum Manager der Bastille-Oper. Deren Chefdirigenten Daniel Barenboim vertrieb er damals mit seiner autoritären Art. Der „Monde“-Redaktion verspricht er jetzt die Wahrung ihrer publizistischen Unabhängigkeit. Hans-Hagen Bremer

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