PORTRÄT PIPPI LANGSTRUMPF : „Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt“

Streit um die Kapitänstochter: Ist Pippi so schwarz-gelb wie ihr rechter Strumpf? Oder gehört sie den Linken?

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Sie hat gut lachen, die Wahlkämpfer eher nicht.
Sie hat gut lachen, die Wahlkämpfer eher nicht.Foto: dpa

Wahlkampf in Taka-Tuka- Land: Andrea Nahles (SPD) wirft der Kanzlerin vor, sich wie Pippi Langstrumpf zu verhalten. Angela Merkel, sang Nahles, mache sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Darauf antwortet Eckart von Klaeden (CDU): „Die Bundesregierung dankt der Abgeordneten Andrea Nahles für das möglicherweise unbeabsichtigte Kompliment und sieht weder den Ruf von Pippi Langstrumpf noch den der Bundesregierung durch die Gesangseinlage beeinträchtigt.“ Pippi habe „Generationen von Mädchen ermuntert, Spaß zu haben und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben“. Das will Sabine Zimmermann (Linkspartei) nicht so stehen lassen. Pippi Langstrumpf stelle die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse infrage, betont sie. „Wenn, dann darf sich Die Linke auf sie berufen!“ Und wieder Nahles: „Die Bundesregierung surft auf meinem Facebook-Hype und der Pippi- Welle.“

Ist Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf so schwarz-gelb wie ihr rechter Strumpf? Klar ist, dass sie einer Partei, die gerade „Das Wir entscheidet“ plakatiert, suspekt sein muss. Pippi ist reich und möchte ihr Geld dennoch nicht mit sozial Unterprivilegierten wie den beiden Landstreichern Donner- Karlsson und Blom teilen. Vom staatlichen Bildungssystem hält sie auch nichts, sie besteht auf „home-schooling“. Aber wie nah wird sie sich der CDU fühlen, wenn selbst Ministerinnen wie Kristina Schröder den eigenen Kindern verschweigen wollen, dass Pippis Vater Negerkönig ist – „um mein Kind davor zu bewahren, solche Ausdrücke zu übernehmen“. Grün ist sie auch nicht, sonst hätte sie der Villa Kunterbunt längst eine Wärmedämmung verpasst. Pippi ist so autonom, dass keine der Parteien heute wagt zu plakatieren: Mehr Langstrumpf wagen!

Denn Angela Merkel – und das wäre sogar der gesellschaftlich angepassten Annika sofort aufgefallen – macht gar nicht, was ihr gefällt. Merkel tanzt nicht auf dem Hochseil, sie ist auch keine Sachensucherin wie Pippi. Deshalb findet sie nie etwas Neues. Im Vergleich der beiden ist Merkel die fiktive Figur, nicht Pippi Langstrumpf.

Trotzdem wird Astrid Lindgrens Schöpfung in Umfragen, welche literarische Figuren gute Politiker abgeben würden, selten genannt. Robinson Crusoe schneidet dort gut ab: weil er ganz allein ein funktionierendes Wirtschaftssystem aufbaut und sogar einen Arbeitsplatz schafft (den für Freitag). Moritz Schuller

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