PORTRÄT PIT METZ CHEF DER HESSEN-LINKEN: : „Schießbefehl in Afghanistan“

Der studierte Pädagoge Pit Metz ist mit der festen Absicht angetreten, die Linke in Hessen in die Opposition zu führen und keinen Meter weiter – es kann daraus aber auch schnell das außerparlamentarische Abseits werden.

Axel Vornbäumen

So kann man das auch sehen, wenn man muss, entsprechend süß-säuerlich allerdings: Was da in Hessen passiert ist am vergangenen Wochenende, sagt Dietmar Bartsch, Geschäftsführer der Linken, sei eine „Personal- und keine Richtungsentscheidung“ gewesen. Nun, wer’s glaubt. Passiert ist, dass der neue Spitzenkandidat des neuen Landesverbandes der Hessen-Linken nicht wie von Berlin gewünscht Dieter Hooge heißt, ein Gewerkschafter von altem Schrot und Korn, der die Lizenz gehabt hätte, bei linken Sozialdemokraten zu wildern, sondern Pit Metz.

Metz, 54, war bis 1996 DKPist und zwischenzeitlich parteilos. Er ist aus Marburg. Von rot-roten, bei Bedarf rot-rot-grünen Koalitionen hält er nix, von sozialdemokratischen Positionen wenig. Das sagt er auch, gern und oft. Der studierte Pädagoge ist mit der festen Absicht angetreten, die Linke in Hessen in die Opposition zu führen und keinen Meter weiter – es kann daraus aber auch schnell das außerparlamentarische Abseits werden. Auf seinen ersten Schritten als neuer Frontmann hat sich Metz dabei in etwa so geschickt verhalten wie ein Zwetschenkuchen in der prallen Augustsonne – er bietet die geradezu ideale Zielscheibe für allerlei Wespen. Metz hatte nämlich die Behauptung des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), die Linke sei verantwortlich für den Schießbefehl in der DDR, mit der Bemerkung gekontert, wenn Koch „wirklich etwas gegen den Schießbefehl tun“ wolle, solle er seinen Kontakt zu Franz Josef Jung nutzen. Der Verteidigungsminister sei schließlich verantwortlich dafür, dass deutsche Soldaten in Afghanistan auf Menschen schießen müssten.

Das ist nicht nur die Hardcore-Variante von Oskar Lafontaines Raus-aus-Afghanistan-Position. Die neue Linke in Hessen hat damit auch eine veritable Relativierungsdebatte an der Backe, Metz hat die Soldaten auf die Stufe mit regimetreuen Mauerschützen gestellt, dem finstersten DDR-Kapitel überhaupt – das ist allemal ein Thema, das reicht, um damit einen kompletten Landtagswahlkampf zu bestreiten. Sogar die Hessen-SPD, wahrlich kein Anhänger des Gespanns Koch und Jung, sah sich genötigt, die absurde Analogie als „ungeheuerliche Entgleisung“ abzutun.

War’s das? Das war’s wohl. Von den hochtrabenden Ambitionen der Linken, möglichst schnell in westdeutschen Landesregierungen zu sitzen, ist eine schon mal dahin. Axel Vornbäumen

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