• PORTRÄT PRINZ ANDREW WIRTSCHAFTSBOTSCHAFTER:: „Wir brauchen hier ein bisschen Unterstützung“

PORTRÄT PRINZ ANDREW WIRTSCHAFTSBOTSCHAFTER: : „Wir brauchen hier ein bisschen Unterstützung“

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Am Sonntag kam endlich Hilfe: „Prinz Andrew hat eine Menge Gutes für Großbritannien getan“, sagte Außenminister William Hague und schlug eine neue Tonart an im schallenden Flüsterchor, der seit Tagen in den Medien gegen den zweitältesten Sohn der Queen, den Herzog von York und seine Arbeit als „Botschafter des britischen Handels“ Stimmung macht. Sollte sich der Prinz zum Rückzug entschließen, werde man ihm „keine Träne nachweinen“, diktierte dagegen eine anonyme Stimme aus der Downing Street den Zeitungen.

Seit Jahren bereist der Prinz die Welt und wirbt für die britische Wirtschaft. Die Ziele von „Air-Miles-Andy“ werden vom Handelsministerium ausgesucht. In Deutschland war er schon, vor allem aber stehen Scheichtümer im Nahen Osten und Ex-Sowjetrepubliken auf der Reiseliste. Ein geheimer Bericht soll geraten haben, Andrew von Ländern in Europa und Nordamerika fernzuhalten.

Kritik hagelt es nun von allen Seiten. Da geht es um peinliches Sprücheklopfen in Diplomatenrunden, den Vorwurf, es gebe bei Andrew „keine erkennbare geistige Aktivität“ (ein anonymer hoher Tory im „Telegraph“) und einen möglichen Sexskandal, in den sich die Boulevardpresse nun verbeißt: Zwei Angestellte des verurteilten amerikanischen Teenager-Schänders Jeffrey Epstein weigern sich auszusagen – um sich nicht selbst zu belasten –, ob Andrew bei Epsteins Partys in Florida Sex mit einer minderjährigen Prostituierten hatte. Schlimmer noch: Epstein half Andrews Ex Sarah mit einem 15 000 Dollar-Scheck aus der chronischen Finanzpatsche. Und dann ist da das Bügelbrett, das Andrew samt Leibdienern und -wächtern stets mit sich führt. Alles in allem kosteten seine Reisen allein im letzten Jahr über eine halbe Million Pfund.

Als Diplomaten erfuhren, dass Andrew vor ein paar Monaten den zwielichtigen Schwiegersohn des inzwischen vertriebenen tunesischen Machthabers Ben Ali im Buckingham Palast empfing, musste Andrews Pressebüro um Hilfe rufen: „Wir brauchen ein bisschen Regierungsunterstützung.“ Leider ging die E-Mail statt ans Handelsministerium an die Presse.

Nun doch noch die Wende: Der Premier habe volles Vertrauen zu Andrew, von einer Herabstufung seiner Aktivitäten könne keine Rede sein, betonte der Sprecher der Downing Street ganz offiziell. Warten wir ab. Feuern kann man einen „Royal“ eben nicht. Vor allem, wenn er die Arbeit freiwillig macht. Matthias Thibaut

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