• PORTRÄT PRINZ CHARLES POLITISIERENDER THRONFOLGER:: „Bin verpflichtet, meine Meinung zu sagen“

PORTRÄT PRINZ CHARLES POLITISIERENDER THRONFOLGER: : „Bin verpflichtet, meine Meinung zu sagen“

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Hat Prinz Charles das Zeug, König zu werden? Anders als die Queen, die mit Schweigen, politischer Abstinenz und stoischer Miene regiert, trägt der Prinz von Wales seine Meinungen wie ein offenes Buch vor sich her. Er hat Bauprojekte gestoppt, als Lobbyist für erneuerbare Energien geworben und Biotechnologie und Genweizen verdammt.

Der Vorwurf, Charles politisiere die Monarchie, flammt nun wieder auf, nachdem bekannt wurde, dass der Thronfolger seit dem Regierungswechsel 2010 36-mal Minister zu Gesprächen traf. Zum Beispiel Gesundheitsminister Jeremy Hunt, dem er riet, im staatlichen Gesundheitssystem auch homöopathische Medizin einzusetzen. Charles müsse Gelegenheit haben, die Anliegen weiterzureichen, die ihm auf seinen Fahrten durchs Land vorgetragen würden, argumentierten Charles’ Mitarbeiter im Stadtpalast Clarence House: „Es ist seine Pflicht, im Privaten mit der Regierung über alle Fragen seiner Wahl zu kommunizieren.“

Aber es wird nun brenzliger für Charles. Einige Unterhausabgeordnete sind ihm auf der Spur, seit der „Guardian“ ein geheimes „Vetorecht“ des Thronfolgers gegen Gesetze, die seine Interessen betreffen, ausfindig gemacht hat. Justizminister Dominic Grieve setzte sich über eine richterliche Anordnung hinweg, die vorsah, Charles’ Briefwechsel mit Regierungsmitgliedern zu publizieren. Das, argumentierte die Regierung, hätte „die Position politischer Neutralität“ des Thronfolgers gefährdet. Jüngst beschäftigte sich ein Unterhausausschuss bei einer Anhörung mit den undurchsichtigen Geschäftsstrukturen des 1337 von König Edward III. als Apanage für den Thronfolger eingerichteten Herzogtums von Cornwall – wo Charles mit Hotels, Biofarmen und Keksfabriken Jahr für Jahr steigende Gewinne erzielt, aber keine Unternehmenssteuern bezahlen muss.

Sogar monarchistisch gesinnte Kommentatoren fürchten, Charles gefährde die Monarchie und flehen: „Mit dem tiefsten Respekt, Sir, bitte halten Sie den Mund“. Bald schon könnte Charles de facto, wenn nicht dem Namen nach, Prinzregent sein. Will er ein König werden, der in die Politik eingreift und damit möglicherweise eine Monarchiekrise heraufbeschwört? Oder wird einfach der Mantel des Schweigens um seine wöchentliche Privataudienzen mit dem Premier gehüllt? Anders als der Thronfolger, dessen Briefe nun alle lesen wollen, hat ein Monarch ein Recht auf absolute Verschwiegenheit. Matthias Thibaut

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