• PORTRÄT RABBINER ARIE DERI ORTHODOXER POLITIKER, ISRAEL:: „Ich komme zurück, endgültig“

PORTRÄT RABBINER ARIE DERI ORTHODOXER POLITIKER, ISRAEL: : „Ich komme zurück, endgültig“

Die Schamfrist ist verstrichen und das Enfant terrible der israelischen Politik ist wieder zurück. Einer hat sich davor besonders gefürchtet

Charles A. Landsmann

Er lacht, wie immer verschmitzt, groß von den Titelseiten der israelischen Zeitungen. Viel Ehre für einen Mann, der wegen Korruption, Betrug und Amtsmissbrauch im Gefängnis saß und Symbolfigur wurde für Politiker, die sich über das Gesetz erheben. Arie Deri, heute fünfzig, einst das „politische Wunderkind“ Israels, ist wieder da.

An diesem Mittwoch, den 15. Juli 2009, sind es auf den Tag genau sieben Jahre, nachdem sich die Gefängnistore für ihn nach zwei Jahren Haft öffneten (je ein Jahr Ermäßigung brachten ihm die Berufung und die gute Führung) und zehn Jahre, nachdem er unfreiwillig aus der Politik ausscheiden musste. Ursprünglich war er zu vier Jahren Haft verurteilt worden, denen sich gesetzesgemäß eine siebenjährige Schamfrist (in der er kein öffentliches Amt bekleiden durfte) anschloss.

Deri, Gründer der ultrareligiösen sefardischen Schas-Partei, mit 27 Jahren jüngster Ministeriums- Generaldirektor und mit 29 Jahren jüngster (Innen-)Minister aller Zeiten, hat Israel mehr verändert als jeder andere Minister und als fast alle Regierungschefs. Mit zwei von ihnen, die seine Gerissenheit, sein einzigartiges politisches Gespür und sein Durchsetzungsvermögen als Minister zu schätzen wussten, war (ist) er persönlich befreundet: mit dem linken Jitzchak Rabin und dem rechten Benjamin Netanjahu. Sein Einfluss ist auch heute, nach zehn Jahren in der Wüste, gewaltig. Oder besser gesagt: Sein Schatten liegt immer noch über der israelischen Politik.

Deris absehbares Wiedererscheinen auf der politischen Bühne hatte auch die vorzeitigen Neuwahlen und damit den jüngsten Machtwechsel ausgelöst. Weil der jetzige Parteichef der Schas, Eli Jischai, das Comeback Deris fürchtete, drängte er unermüdlich auf vorzeitige Neuwahlen und sicherte sich so weitere vier Jahre den Parteivorsitz. Um sich gegenüber dem außenpolitisch moderateren Deri zu profilieren, steuert Jischai nun in der Regierung Netanjahu einen kompromisslosen Rechtskurs.

Deri wiederum geht es angeblich nicht um Siedlungen, Palästinenserstaat, iranische Atombedrohung. Er wolle Gesellschafts- und Sozialpolitik betreiben und dabei keineswegs einer einflussarmen Protestbewegung vorstehen: „Vergesst den Protest. Unser Ziel ist es, eine Brücke zu sein. Eine Brücke zwischen dem ersten und dem zweiten Israel, eine Brücke zwischen Religiösen und Nichtreligiösen.“ Schön wär’s. Charles A. Landsmann

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