PORTRÄT RACHIDA DATI : "Mutterschaft ist keine Krankheit“

Frankreichs Justizministerin Rachida Dati hat vor wenigen Tagen eine Tochter zur Welt gebracht. Die französische Presse rätselt seitdem, wer der der Vater ist und warum sie fünf Tage nach der Geburt wieder zum Dienst erscheint.

Hans-Hagen Bremer

Frankreichs Justizministerin Rachida Dati steht im Mittelpunkt von Spekulationen. Wer ist wohl der Vater des Mädchens Zohra, das die unverheiratete 42-jährige Frau am 2. Januar zur Welt brachte, fragt man sich an Bistrotheken ebenso wie in Pariser Salons oder in den Redaktionen der Medien. Die Ministerin hat zwar gelobt, den Namen des Vaters nicht preiszugeben, was als Entscheidung einer emanzipierten Frau respektiert wird, andererseits aber nicht verhindert, dass es in der Gerüchteküche weiter kräftig dampft. Und warum hat sie nur fünf Tage nach der Kaiserschnittgeburt ihre Dienstgeschäfte wieder aufgenommen?

Als sie am vergangenen Mittwoch, ohne sichtbares Zeichen der Erschöpfung und elegant wie immer, in schwarzem Kostüm und auf hohen Absätzen zur ersten Kabinettsitzung im neuen Jahr im Elysee-Palast erschien, gab es nicht nur Glückwünsche für die junge Mutter, sondern auch bedenkliche Mienen. War das nicht zu früh?

Schon bei der Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft hatte die Ministerin mit der Erklärung „Mutterschaft ist keine Krankheit“ angekündigt, dass sie nicht kürzer treten würde. Doch dass sie vom gesetzlich garantierten Mutterschutz nicht den geringsten Gebrauch macht, hat ihr jetzt Kritik eingebracht. Laut einer Umfrage der Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“ verurteilt die Mehrheit ihrer Landsleute – bei den Frauen sogar zwei Drittel – ihr Verhalten. Sie habe dem Anspruch der Frauen einen schlechten Dienst erwiesen, bemängelten Frauenrechtlerinnen. Florence Montreynaud meinte, Dati habe aus lauter Machtgier die „monströse Ausbeutung“ der Arbeiterinnen in den 20er Jahren wiederholt, von denen jede fünfte in der Fabrik entbunden habe.

Unterstützung erhielt Dati von Kabinettskolleginnen, die wie die Staatssekretärin für Umweltschutz Nathalie Koscziusko-Morizet selbst während ihrer Amtszeit Mutter wurden. Auch die Oppositionspolitikerin Ségolène Royal, die sich einst im Wochenbett mit Akten fotografieren ließ, nahm sie in Schutz. Dati stehe unter ungeheurem politischen Druck, vermutet sie. Da Präsident Nicolas Sarkozy an diesem Tag eine Justizreform ankündigte, habe sie sich nicht erlauben können, als Ministerin nicht dabei zu sein. Die Ankündigung hätte in der Tat noch Zeit gehabt. Doch so viel Rücksicht auf eine Ministerin, deren Stern, wie in Paris kolportiert wird, verblasst, nimmt Sarkozy wohl nicht. Hans-Hagen Bremer

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