PORTRÄT RAHM EMANUEL OBAMAS STABSCHEF: : „Die Krise nicht ungenutzt verpuffen lassen“

Christoph von Marschall

Gleich seine erste Personalentscheidung spaltet den Nahen Osten. Eine israelische Zeitung nennt Barack Obamas neuen Stabschef „unseren Mann im Weißen Haus“. Die Palästinenser reagieren deutlich zurückhaltender. Der Grund: Rahm Emanuel hat während des ersten Golfkriegs 1991 als freiwilliger Zivilist Dienst in der israelischen Armee geleistet.

Auch in Washington ist „Rahmbo“ Emanuel kaum als feinfühlig bekannt. Als er sich über einen demokratischen Meinungsforscher ärgerte, mailte er ihm einen toten Fisch. Der 48-jährige Kongressabgeordnete für Chicago Nord ist ruhiger geworden, hat seine Kampfeslust aber behalten. „Sie wollen so eine Krise doch nicht ungenutzt verpuffen lassen“, sagt er über das Finanzdebakel. Den Ölpreisschock in den 70er Jahren habe Amerika ausgesessen, ohne den Konsum zu ändern. Das war ein Fehler. Jetzt sind Korrekturen im Finanzmarkt möglich, an die man sich sonst nicht heranwagt. Emanuels Härte ist ein Trumpf für den persönlich so beherrscht auftretenden Obama. Er muss die Peitsche im Weißen Haus nicht selbst schwingen. „Niemand, den ich kenne, kann die Aufgaben besser bewältigen“, begründet er die Berufung.

Emanuels Eltern sind 1959, vier Monate vor seiner Geburt, aus Israel nach Illinois eingewandert. Der Vater, der vor der Unabhängigkeit Israels in der zionistischen Untergrundbewegung Irgun gekämpft hatte, sprach mit dem Sohn zu Hause Hebräisch. Rahm Emanuel hat einige Zeit als Balletttänzer sein Geld verdient. Das Stipendium für die weitere Tanzausbildung schlug er Anfang der 80er Jahre jedoch aus. Statt dessen studierte er Rhetorik und Kommunikation an der Northwestern-University Chicago.

1991 schloss sich er sich Bill Clinton als äußerst erfolgreicher Spendensammler an, von 1993 bis 1998 war er Berater für Politik und Strategie im Weißen Haus. Danach ging Emanuel nach Chicago, um für eine Investmentbank zu arbeiten. Die Bank allerdings wurde bald darauf verkauft, Emanuel erhielt Millionen und damit die finanzielle Absicherung für eine Rückkehr in die Politik. Emanuel ist seit 2002 im Repräsentantenhaus. Er gilt als einer der wichtigsten demokratischen Abgeordneten und einflussreicher Strippenzieher. Kurz nach der Wahl damals hatten ihm Schwarze und Hispanics noch vorgeworfen, kein rechtes Gespür für Minderheiten zu haben. Das hat sich offenbar geändert. Christoph von Marschall

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