PORTRÄT RAUL CASTRO PRÄSIDENT KUBAS: : „Wir lassen uns nicht erpressen“

Sandra Weiss
Raul Castro
Raul CastroFoto: dpa

Es war ein Schachzug, wie er für die Castro-Brüder üblich ist. Mit der angekündigten Freilassung von 52 Dissidenten schlägt das kubanische Regime gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Das Ausland applaudiert angesichts der „positiven Geste“, der Journalist Guillermo Fariñas legt seinen Hungerstreik nieder, der ihn zur Symbolfigur für die internationalen Medien machte, die „Damen in Weiß“ haben keinen Anlass mehr für ihre Proteste. Und ob einer der Freigelassenen nach seiner geplanten Ausreise nach Europa je wieder in die kubanische Mangelwirtschaft und Repression zurückkehren wird, ist fraglich. Zwar hat Castro der katholischen Kirche versprochen, jeder dürfe heimkehren – doch dafür benötigen die Freigelassenen wie alle Kubaner eine Genehmigung.

Nach dem für das Regime unbequemen Hungertod des Dissidenten Orlando Zapata greift der jüngere der Castros auf die bewährte Strategie des Schacherns mit politischen Gefangenen zurück und gibt sich damit den Anschein, konzilianter zu sein als sein Bruder Fidel. Doch das täuscht, wie der Dissident Elizardo Sanchez zu bedenken gibt. Trotz Castros Reformversprechen sei nicht viel passiert, und auch jetzt sei eine wirkliche Verbesserung der Menschenrechtssituation nicht zu erwarten.

Raul, geboren am 3. Juni 1931, war lange vor Fidel Kommunist. Schon während seiner Zeit als Student der Wirtschaftswissenschaften gehörte er der kommunistischen Jugendorganisation an, während Fidel sich erst nach dem Sieg seiner Revolution 1961 zum Sozialismus bekannte. Bei der Verteidigung seiner Ideologie legte der schmächtige Mann mit der dicken Brille und dem Schnauzbart immer Flexibilität an den Tag. Er war es, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Einführung der Bauernmärkte durchsetzte, auf denen erstmals Landwirte unter marktähnlichen Bedingungen ihre Produktion frei verkaufen konnten. Bohnen seien zum jetzigen Zeitpunkt wichtiger für das Überleben der Revolution als Waffen, hatte Raul argumentiert.

Die Strategie der vorsichtigen Wirtschaftsreformen bei gleichzeitigem Systemerhalt verfolgt Raul konsequent seit der Erkrankung seines Bruders. 1997 zeigte er sich bei einer Reise nach China sehr interessiert am dortigen Modell des Sozialismus gepaart mit Marktwirtschaft. Die Kontakte zu den Chinesen hat er seither ausgebaut – und eines immer klargestellt: Ein Systemwechsel kommt nicht infrage. Sandra Weiss

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