PORTRÄT REBIYA KADEER EXIL-UIGURIN: : „Ich habe die Proteste nicht organisiert“

Sie war eine anerkannte Selfmademillionärin in China, jetzt ist sie die Staatsfeindin Nummer 1 - weil sie Uigurin ist.

Benedikt Voigt

Es hat mal eine Zeit gegeben, als Chinas kommunistische Machthaber in Rebiya Kadeer eine Vorzeigedelegierte des Chinesischen Volkskongresses sahen. Als Selfmademillionärin symbolisierte sie, dass auch Angehörige der uigurischen Minderheit in der westchinesischen Provinz Xinjiang von der Modernisierung Chinas profitieren können. Inzwischen aber zählt Chinas totalitäres Regime sie zu seinen Staatsfeinden. Seit Montag wirft es ihr vor, die Proteste der Uiguren in Urumqi organisiert zu haben.

Rebiya Kadeer hat die Vorwürfe aus ihrem US-amerikanischen Exil zurückgewiesen. „Das ist vollkommen falsch“, sagte die 62 Jahre alte Vorsitzende des uigurischen Weltkongresses, „ich habe die Proteste weder organisiert, noch die Menschen zu Demonstrationen aufgerufen.“ Ihre Familienangehörigen waren in der Vergangenheit regelmäßig Ziel von Repressionen chinesischer Sicherheitskräfte. Drei Söhne sitzen im Gefängnis, eine Tochter steht unter Hausarrest.

Die elffache Mutter, die nach der Scheidung von ihrem ersten Mann einen Textilhandel begonnen hatte und zwei Kaufhäuser in Urumqi besaß, hat sich den Zorn der Machthaber durch eine Rede vor dem Volkskongress im Jahr 1997 zugezogen. Offiziell hatte sie ein Manuskript eingereicht, in dem sie die Behandlung der Uiguren in China lobte. Tatsächlich aber stand sie unter dem Eindruck der Februarunruhen in Yining, Xinjiang, bei denen mindestens 100 Menschen gestorben und 52 Uiguren zum Tode verurteilt worden waren. Vor dem Volkskongress sagte sie: „Ist es unsere Schuld, dass die Chinesen unser Land besetzt haben? Dass wir unter so schrecklichen Bedingungen leben müssen?“

Nach dieser Rede war sie eine Persona non grata in China. 1999 wurde sie von der chinesischen Polizei verhaftet, weil sie amerikanischen Kongressabgeordneten Zeitungsartikel für ihren in den USA lebenden zweiten Mann, einen Regimekritiker, übergeben wollte. Wegen Verrats von Staatsgeheimnissen erhielt sie eine achtjährige Gefängnisstrafe. Sie kam erst nach sechs Jahren auf Intervention der USA vorzeitig frei und lebt seitdem in Fairfax, Virginia. Wie der Dalai Lama für die Tibeter symbolisiert Rebiya Kadeer den Freiheitswillen der Uiguren. Wiederholt hat sie sich gegen die Unterdrückung ihres Volkes und für gewaltlosen Protest eingesetzt. Auch deshalb wurde sie bereits dreimal für den Friedensnobelpreis nominiert. Benedikt Voigt

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