Porträt Regina Halmich : "Ende November ist Schluss"

Seit zwölf Jahren ist Regina Halmich Box-Weltmeisterin. Das ist in ihrem Sport eine Ewigkeit – und das scheint selbst der kleinen, öffentlichkeitsbewussten Frau aus Karlsruhe etwas langweilig zu werden.

Claus Vetter

Sie wollte dahin, wo vorher in Deutschland noch keine andere vor ihr war. Und da ist sie nun schon lange, sehr lange. Seit zwölf Jahren ist Regina Halmich Box-Weltmeisterin. Das ist in ihrem Sport eine Ewigkeit – und das scheint selbst der kleinen, öffentlichkeitsbewussten Frau aus Karlsruhe etwas langweilig zu werden. Herausforderungen gibt es nach 44 Kämpfen ohne Niederlage für Regina Halmich nicht mehr. So verkündete sie nun nach ihrer erneuten Titelverteidigung als Fliegengewichtsweltmeisterin ihren Rücktritt. Am 30. November will sie den Titel ein letztes Mal verteidigen.

Ihr letzter Sieg, so sie denn gewinnt, könnte eine Niederlage für das professionelle Frauenboxen in Deutschland sein. Denn das ist mit Halmich gewachsen, von der sportlichen Qualität her, aber vor allem von seiner öffentlichen Wahrnehmung. Dafür hat die Badenserin viel gewirbelt. Da waren die Fotos im Playboy, Gastauftritte in TV-Serien und natürlich die Duelle mit dem Pro-7-Blödler Stefan Raab. Im März diesen Jahres fand der zweite Kampf „kleine Frau gegen dicker Mann“ statt. Das sahen 20 000 in der Kölnarena, 7,74 Millionen Zuschauer am Fernsehschirm. Eine Zahl, die Halmich inzwischen auch bei ihren eigenen Kämpfen erreicht. Mehr schaffen selbst bei den Männern hierzulande nur die Klitschkos. Halmich hat verstanden, dass sie sich abseits ihrer Sportart bewegen muss, um populär zu werden. Die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin sagt: „Das Fernsehen hat die entscheidende Rolle in meiner Karriere gespielt, ohne Fernsehen geht gar nichts.“

Geht ohne Halmich etwas im deutschen Frauenboxen? Gute Boxerinnen gibt es, doch das reicht noch nicht zur schlagenden Quotenqueen. Die, die etwas hermachen, kommen eben nicht aus Deutschland – wie etwa die Tochter von Muhammad Ali, Laila, oder die Russin Natascha Ragosina, die ihre Gegnerinnen schon vor ihren Kämpfen verbal vermöbelt.

Ali und Ragosina kämpfen in höheren Klassen als Halmich, die es mit 1,60 Meter geschafft hat, berühmt zu werden – ein weiterer Sieg für sie. Selbst bei den Männern lässt sich in den untersten Gewichtsklassen nur schwer Ruhm erkämpfen. Ihr größter Sieg war, dass Halmich sich populär gemacht hat. Irgendwie ist es daher unwahrscheinlich, dass sie wirklich schon aufhört, im November wird sie erst 31 Jahre alt sein. Das ist zu jung, um wirklich von der großen Bühne abzutreten. Denn auch die Zeit danach kann langweilig werden. Claus Vetter

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