PORTRÄT : Reinhard Klimmt: „Wir haben der SPD ein Gesicht gegeben“

Über Jahrzehnte war Reinhard Klimmt der engste Weggefährte von Oskar Lafontaine. Beide sind immer noch befreundet. Jetzt organisiert Klimmt eine Kampagne gegen den Linken-Chef. Alle SPD-Landesminister, die unter Lafontaine im Amt waren, werden sich daran beteiligen.

Ewald B. Schulte

Über zwei Jahrzehnte hinweg passte kein Blatt Papier zwischen Reinhard Klimmt, 66, und Oskar Lafontaine, 65. Gemeinsam eroberten sie in den 80er Jahren das Saarland für die SPD. Vier Landtagswahlkämpfe bestritten sie, wobei die Rollenverteilung klar war: Auf der einen Seite der schon damals rhetorisch brillante Spitzenkandidat und Ministerpräsident Lafontaine, auf der anderen Klimmt als dessen Schattenmann, der der Nummer eins in der Partei und in der Landtagsfraktion den Rücken frei hielt. Klimmt als Mann fürs Grobe, der im Hintergrund die Fäden zog, hatte entscheidenden Anteil daran, dass sich Lafontaine mehr als 13 Jahre lang bis 1998 im Amt des Ministerpräsidenten halten konnte.

Gesprengt wurde das Erfolgsgespann durch Lafontaines Wechsel in die Bundesregierung. Die Trennung bekam beiden nicht. Lafontaine schmiss nach nur 186 Tagen spektakulär den Job als Bundesfinanzministers in der Regierung Schröder hin und gab entnervt den SPD-Vorsitz auf. Und Klimmt machte die Erfahrung, dass er selbst zum Spitzenmann nicht taugt: Als Ministerpräsident an der Saar unterlag er im September 1999 seinem Herausforderer Peter Müller (CDU). Seine prompte Berufung zum Bundesverkehrsminister blieb wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten beim Fußballverein 1. FC Saarbrücken, dessen Präsident Klimmt lange Zeit war, nur eine kurze Episode.

Am 30. August wird im Saarland wieder gewählt. Und erneut tritt Lafontaine als Spitzenkandidat an, diesmal aber nicht für die SPD, sondern für die Linkspartei. Im Wahlkampf redet er gerne von „wir“, insbesondere dann, wenn er auf die Regierungsära der Saar-SPD zu sprechen kommt. Dass er dabei die Grenzen verwischt und Regierungserfolge vergangener Jahre trickreich für die Linke zu vereinnahmen sucht, nimmt der an der Saar immer noch sehr populäre Bundesvorsitzende der Linken bewusst in Kauf.

Das aber bringt Klimmt, der immer noch mit Lafontaine befreundet ist, auf die Palme. Er hat deshalb bei den Weggefährten aus gemeinsamen Regierungszeiten für die Unterstützung des SPD-Spitzenkandidaten Heiko Maas geworben. Unter dem Motto „Wir haben über viele Jahre der SPD ein Gesicht gegeben“ soll nun per Anzeige mit mehr als 80 Namen kurz vor der Wahl für Maas geworben werden. Klimmt zufolge werden sich alle SPD-Landesminister, die unter Lafontaine im Amt waren, daran beteiligen. Ewald B. Schulte

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