Porträt : Reinhold Robbe: „Die Bundeswehr ist ein Spiegel der Gesellschaft“

Er gilt als geradlinig und zuverlässig. Keiner, dem es um parteipolitische Profilierung gehe. Seinen aktuellen Widersachern offenbar schon

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Foto: Thilo Rückeis

Den Wehrdienst, sagt der Ostfriese, SPD-Politiker und bekennende Christ Reinhold Robbe, würde er heute nicht mehr verweigern. Aber damals, in den Siebziger Jahren, unter den Vorzeichen des Kalten Krieges, habe ihm niemand plausibel machen können, warum er zur Bundeswehr gehen und im Kriegsfall auf seine Verwandten in Thüringen hätte schießen sollen. Die Zeiten haben sich geändert, und Robbe mit ihnen. 2005 übernahm der gelernte Verlagskaufmann das Amt des Wehrbauftragten – als erster ehemaliger Kriegsdienstverweigerer.

Das Amt wird über weite Strecken öffentlich kaum wahrgenommen. Doch erstens hat es Verfassungsrang: „Zum Schutz der Grundrechte und als Hilfsorgan des Bundestages bei der Ausübung der parlamentarischen Kontrolle wird ein Wehrbeauftragter des Bundestages berufen“, heißt es in Artikel 45 b des Grundgesetzes. Und Robbes Amtsverständnis hat sein Übriges dazu getan, die Ausnahme zur Regel und sein Wirken öffentlich bemerkbar zu machen. Zuletzt mit seinen Berichten über Alkoholexzesse und bizarre Aufnahmerituale in Teilen der Truppe.

Robbe schätzt den direkten Weg, die deutliche Ansprache. Er liebt Überraschungsbesuche bei der Truppe. Davon verspricht er sich die ehrlichsten Auskünfte über das, was ist, er will die ungeschminkte Wahrheit. Robbe nutzt Besuche und Gespräche, um zu ergänzen, was er durch die Eingaben der Soldaten und Reisen in die Auslands-Einsatzgebiete erfährt. Seine Aufgabe sieht der als Kind einer Arbeiterfamilie Geborene vor allem darin, Ansprechpartner zu sein für „die mir anvertrauten Soldaten“. Es gehe darum, „Eingaben nicht nur abzuarbeiten wie ein Bürokrat“, sondern Abhilfe zu schaffen, wo es Mängel gibt, so das Credo des 54-Jährigen.

Reinhold Robbe gilt als geradlinig und zuverlässig. Auch politische Gegner bescheinigen ihm Fingerspitzengefühl und Sachlichkeit: Er sei keiner, heißt es, dem es um parteipolitische Profilierung gehe. Seinen aktuellen Widersachern offenbar schon: Robbes Amtszeit läuft im Mai ab, er selbst würde wohl weitermachen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), plädiert auch dafür, ihn im Amt zu belassen. Allein: Die FDP in Person ihr es Vorsitzenden Guido Westerwelle pocht auf das Vorschlagsrecht der Freidemokraten – und deren Fraktionsvorsitzende, Birgit Homburger, hat deutlich gemacht: „Es wird kein SPD-Mann werden.“

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