PORTRÄT REINHOLD WÜRTH UNTERNEHMER: : „Man muss Unruhe schaffen“

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Künzelsau und Schwäbisch Hall verbindet die Bundesstraße 19 – und das Mäzenatentum des Reinhold Würth. Der hat bald einen Grund mehr, aus seiner Heimat Künzelsau hinüberzufahren. Dann, wenn ein Gemälde Hans Holbeins, das Würth gestern erworben hat, in der dank Würth renovierten Johanniterhalle, einer ehemaligen Kirche, ausgestellt wird. An Ausstellungsmöglichkeiten gebricht es dem Herrn über das weltweite größte Schrauben-Imperium nicht. Mittlerweile 13 Museen und Kunsthallen hat er gegründet, seine Sammlung wird auf 12 500 Werke veranschlagt.

Reinhold Würth ist ein Selfmademan, wie er im Buche steht. Als 14-Jähriger wurde er 1949 in die väterliche Schraubenhandlung beordert. Volljährig geworden, übernahm er die Geschäftsleitung anstelle des inzwischen verstorbenen Vaters und baute die Großhandlung kontinuierlich zu einem Global Player aus. Heute setzt die Gruppe aus rund 430 Firmen in 86 Ländern 8,5 Milliarden Euro um. Eigner Würth zählt zu den reichsten Deutschen.

Dabei ist der schwäbische Kapitalist, der schon mal ein Drittel der Arbeitslosen als „Systemknacker“ bezeichnet hat, ein Mäzen im großen Stil. Er macht seine Sammlung – vorwiegend Kunst des 20. Jahrhunderts – öffentlich, stiftet Preise und fördert Universitäten. Der Künzelsauer Campus der Hochschule Heilbronn nennt sich seit einer Zehn-Millionen-Spende „Reinhold-Würth-Hochschule“.

Dass es Philanthropen – denn diesem amerikanisch geprägten Typus kommt Würth am nächsten – in Deutschland nicht leicht haben, machte das Steuerstrafverfahren deutlich, das der beklagte Unternehmer 2010 durch Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 3,5 Millionen Euro beendete. Es ging um Steuern, die wohl eher im deutschen Steuerdschungel verloren gegangen waren, nicht durch persönliche Bereicherung, wie das Gericht anerkannte. Gleichwohl geriet das Bundesverdienstkreuz, das ihm zum 70. Geburtstag verliehen worden war, unter Kritik. Horst Köhler wies das Ansinnen auf Aberkennung zurück. Wo die Grenzen zwischen Philanthropie, Mäzenatentum und Selbstdarstellung verlaufen, wird nun neuerlich diskutiert werden: Mit dem Ankauf des Holbein-Gemäldes für geschätzte 50 Millionen Euro geht dem Frankfurter Museum Städel ein Hauptwerk verloren, um fortan im Würth-Reich zu glänzen. Dargestellt auf dem Gemälde von 1528 ist übrigens ein verdienter Bürger. Bernhard Schulz

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