PORTRÄT RENÉ BENKO SIGNA- UND KADEWE-CHEF: : „Ich habe immer einen Plan“

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Gerade einmal 36 Jahre alt ist der Mann, der laut dem Wiener Wirtschaftsmagazin „Trend“ auf Platz 44 der Liste der reichsten Österreicher steht – und dem nun das KaDeWe gehört. Dabei ist René Benko alles andere als ein wohlhabender Erbe: Als Sohn einer Kindergärtnerin und eines Gemeindebediensteten in Innsbruck geboren, arbeitete er sich aus eigener Kraft innerhalb weniger Jahre zum Immobilienmagnaten empor. Die von ihm gegründete Signa-Gruppe besitzt nach eigenen Angaben Immobilien im Wert von über fünf Milliarden Euro, darunter auch das Gebäude der Deutschen Börse in Frankfurt. In der Wiener Innenstadt stampft Benko zurzeit das „Goldene Quartier“ aus dem Boden, eine riesige Luxus-Shoppingmeile, zu der neben Läden von Prada, Emporio Armani und Louis Vuitton auch teure Wohnungen und Büros sowie ein Fünf-Sterne-Hotel gehören.

Mit 17 Jahren brach Benko die Schule ab, mit 19 war er laut Legende (Schilling-)Millionär: Ein Baumeister lehrte ihn, Dachböden zu sanieren. Mit dem ersten so verdienten Geld erwarb er die Kaufoption für ein Tiroler Wellnesszentrum und verkaufte sie bald gewinnbringend weiter. Im Jahr 2000, mit Anfang 20, gründete er die Signa-Gruppe, die ihm den Rest seines Reichtums einbrachte. „Trend“ schätzt sein Privatvermögen auf 685 Millionen Euro.

Benko gilt als medienscheu, in Interviews gibt er sich wortkarg. Sein Erfolg gründe sich auf Fleiß, Zielstrebigkeit und Intelligenz, heißt es; Bekannte des Tycoons wurden mit dem Ausspruch zitiert, er sei ein „Blitzgneißer“, also jemand, der sehr schnell versteht. Benkos Talent zum Netzwerken hat wohl auch nicht geschadet: Im Beirat der Signa-Holding sitzen unter anderem der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), die Ex-Vizekanzlerin Susanne Riess (FPÖ) und der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Einen Schatten auf Benkos Blitzkarriere und auf seine Geschäftspraktiken wirft eine Verurteilung zu einem Jahr Haft auf Bewährung, die vor einem Monat rechtskräftig wurde. Benko soll versucht haben, den ehemaligen kroatischen Premierminister Ivo Sanader mit 150 000 Euro zu bestechen, damit der in einem Steuerverfahren zugunsten der Signa interveniere. Einen „Musterfall für Korruption“ nannte das die Richterin. Kurz nach der Verurteilung gab Benko die operative Führung seines Konzerns auf und zog sich in den Beirat zurück. Ruth Eisenreich

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