Porträt : Richard Adjei: "Ich bin ein Düsseldorfer Jung"

Er ist ein schwarzer deutscher Bobanschieber - und einer der Stars dieser Olympischen Spiele.

Gregor Derichs
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Foto: dpa

Er hat einen Körper, der jedem Bildhauer als Modell dienen kann, wollte er aus dem Rohmaterial einen perfekten Menschen hämmern: 110 Kilo Gewicht, 1,90 Meter groß, die Muskeln in den idealen Proportionen. Richard Adjei sieht aber nicht nur prächtig aus, er hat sich zum begehrtesten Objekt im deutschen Boblager entwickelt. Der 27-Jährige gewann im Zweierbob als Anschieber von Thomas Florschütz die Silbermedaille.

Seine Geschichte ist eine spezielle. „Die Frage danach, dass ich der erste deutsche Wintersportler mit schwarzer Hautfarbe bin, beantworte ich nicht. Das sollte einfach selbstverständlich sein“, sagte Adjei nach dem Rennen. Aber dass sein Vater aus Ghana stammt und seine Mutter aus Deutschland, ist natürlich eine nicht ganz unwesentliche Facette dieses Sportlers, der nebenher als Model gelegentlich auch über Laufstege schreitet. Adjei betrachtet sich Eingeborener des Rheinlands. „Ich bin ein Düsseldorfer Jung“, sagt er.

Profi im American Football war er, zuerst bei Rhein Fire Düsseldorf, dann bei Berlin Thunder. Er fiel auf, weil er so schnell war. Doch der europäische Ableger der US-Liga im American Football machte seine Pforten dicht. Da traf es sich gut, dass Christoph Langen, dreimaliger Olympiasieger, der inzwischen als Nachwuchstrainer für den Bobverband arbeitet, ihn zu einem Anschieber-Casting einlud. Obwohl er beim ersten Start abrutschte und „dann die Spikes von einem anderen irgendwo im Bein hatte“, war er begeistert.

Man nennt die Anschieber auch Bremser, aber das Beschleunigen des Schlittens ist das Wichtigere. Adjei ist auch beim Viererbob- Wettbewerb am Freitag und Samstag am Start. Mit seiner Masse und seiner Schnellkraft hat er beste Voraussetzungen. Beim Bankdrücken stemmt er 190 Kilo, seine Zeit über 100 Meter liegt im unteren Zehner-Bereich. Er muss den Bob auf Geschwindigkeit bringen, anschließend seinen Körper schnell und geschickt in den engen Schlitten befördern: Kopf runter, den Bobboden vor Augen, und mit Gottvertrauen zum Piloten.

Zu Anfang wurde er oft auf den Film „Cool Runnings“ angesprochen, der von den schwarzen Bobfahrern aus Jamaika handelt, die 1988 bei Olympia starteten. „Das habe ich sieben Millionen Mal gehört. Aber nicht jeder Schwarze in einem Bob ist aus Jamaika. Ich habe ein deutsches Trikot, ich bin bei der Bundeswehr angestellt. Ich sitze im Bob Deutschland II.“

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