PORTRÄT RICK WAREN OBAMAS NEUER PFARRER: : „Ich vertraue Bürgern mehr als dem Staat“

Rick Warren soll als Pfarrer das Gebet bei der Amtseinführung von Barack Obama sprechen. Seine Wahl trägt dem künftigen US-Präsidenten Kritik von Linken und Homosexuellen ein.

Christoph von Marschall
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Foto: AFP

Pfarrer haben in der Selbstdarstellung Barack Obamas eine zentrale Bedeutung. Sie bringen ihn aber auch immer wieder in Schwierigkeiten. Jeremiah Wright, der Seelsorger, der ihn vor 20 Jahren bewegte, einer christlichen Kirche beizutreten, der ihn traute und seine zwei Töchter taufte, wurde im Wahlkampf zur Last. Der Afroamerikaner vertrat eine spezielle schwarze, linke Befreiungstheologie: Die US-Regierung diskriminiere die Schwarzen systematisch und führe eine imperialistische Außenpolitik. In Chicagos Armenvierteln war das eine sehr verständliche Anklage. Bei der weißen Mehrheit aber trug ihm der Predigtsatz „God damn America!“ den Ruf ein, die USA zu hassen. Obama trennte sich im Frühjahr 2008 von Wright und trat aus der Trinity United Church of Christ aus.

Nun hat er Rick Warren als Pfarrer ausgewählt, der bei seiner Amtseinführung die „Invocation“ sprechen soll, die Gottesanrufung und Bittgebet in einem ist, um die Präsidentschaft zu segnen. Politisch ist Warren der Gegenentwurf zu Wright – und das trägt Obama nun Kritik von Homosexuellen und der Linken ein. Der 54-Jährige lehnt Abtreibung, Homo-Ehe und Stammzellforschung ab. Aber er ist auch kein Vertreter der religiösen Rechten, die Bush unterstützte. Er steht leicht rechts von der Mitte. Völkermord in Darfur oder Ruanda und die tägliche Armut mancher Amerikaner sind für ihn größere moralische Herausforderungen als solche „Sündenfälle“ wie Abtreibung und gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

Warren ist inzwischen wohl der prominenteste Mega-Church-Pfarrer in den USA, ein neuer Billy Graham. In seine Saddleback Church in Kalifornien kommen sonntags meist rund 23 000 Gläubige. Er hat Bestseller mit einer Gesamtauflage von 30 Millionen geschrieben. „Purpose Driven Life“ und „The Purpose Driven Church“ sind praktische Ratgeber für den Alltag eines Christenmenschen. Er misstraut dem Staat. Die Bürger sollen in ihren Kirchengemeinden ein weltumspannendes Netz für Bildung, Krankenversorgung und soziale Sicherheit aufbauen.

Dank seiner Prominenz war Warren auch Gastgeber des ersten TV-Duells zwischen Obama und John McCain im August. Bereits 2006 hatte Obama sich an Warren angenähert und unter Protest der Linken auf dessen Anti-Aids-Tag gesprochen. Die Pfarrerwahl dokumentiert: Obama kommt von links, als Präsident aber will er in der Mitte der Gesellschaft stehen. Christoph von Marschall

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