PORTRÄT RICK WARREN, AMERIKAS MEGA-PFARRER : "Das wird kein Religionstest der Kandidaten"

Rick Warren ist der neue Star unter Amerikas Pfarrern. Seine Saddleback Church in Kalifornien wird am Samstag zum Schauplatz des ersten großen Rededuells im Hauptwahlkampf um das Weiße Haus.

Christoph von Marschall

Man nennt ihn den neuen Billy Graham. Graham galt für ein halbes Jahrhundert als Inbegriff des amerikanischen Pfarrers. Er war seelischer Beistand und religiöse Autorität für eine Reihe von Präsidenten von Truman über Kennedy, Nixon und Carter bis Clinton und den beiden Bushs. Bush junior war freilich aus wahltaktischen Gründen auch eine Allianz mit der religiösen Rechten eingegangen – eine parteipolitische Instrumentalisierung des Glaubens, die Graham fremd war.

Die Ära ist vorbei. Und Rick Warren, der neue Star unter Amerikas Pfarrern, ist der beste Beleg dafür. Seine Saddleback Church in Kalifornien wird am Samstag zum Schauplatz des ersten großen Rededuells im Hauptwahlkampf um das Weiße Haus. Dem Ruf eines protestantischen Bischofs, eines katholischen Kardinals oder eines evangelikalen Führers wären Barack Obama und John McCain nicht gefolgt, schreibt das „Time“-Magazin. Zu Warren kommen sie. Der 54-Jährige hat in den 28 Jahren seit der Kirchengründung an Ostern 1980 ein kleines Reich in dieser Welt aufgebaut. 23 000 Mitglieder kommen an einem Wochenende gewöhnlich in die Gottesdienste.

Das allein erklärt nicht seinen Einfluss. Es gibt viele Megachurches dieser Größenordnung in den USA: Millionenunternehmen charismatischer Prediger mit Rundumversorgung von Kindergarten und Schule über Drogenprogramme bis Altenbetreuung. Rick Warren hat Bestseller mit einer Gesamtauflage von 30 Millionen geschrieben. Sie haben ihn reich gemacht, er hat seiner Kirche alle Gehälter zurückgezahlt. „Purpose Driven Life“ und „The Purpose Driven Church“ sind praktische Anweisungen für den Alltag eines Christen und den Aufbau einer Kirche – und Pfeiler eines erdumspannenden Netzwerks. Eine halbe Million Pfarrer aus aller Welt hat seine Seminare besucht, um das Modell daheim anzuwenden.

Nicht „Sündenfälle“ wie Abtreibung oder Homoehe sind für Warren die moralische Herausforderung, sondern Völkermord und alltägliche Not. Ruanda war der Auslöser. In typisch amerikanischer Manier misstraut Warren dem Staat. Seine „biblische Vision“: Die Gemeinschaft der Bürger und Gläubigen soll jede einzelne Gemeinde zum Anbieter von Gesundheitsvorsorge, Bildung und Hilfen zur Wirtschaftsentwicklung machen, weltweit. Armut, Aids, Klimawandel und Menschenrechte werden die Themen mit McCain und Obama sein, sagt er, „kein Religionstest“. Christoph von Marschall

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