• PORTRÄT ROBERT FICO OPPOSITIONSFÜHRER, SLOWAKEI:: „Wir haben den Rettungsschirm gesichert“

PORTRÄT ROBERT FICO OPPOSITIONSFÜHRER, SLOWAKEI: : „Wir haben den Rettungsschirm gesichert“

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Die Pose ist ganz nach seinem Geschmack: Um ihn herum bilden Kamerateams eine Traube, Robert Fico atmet durch und verkündet: Seine Partei, die Sozialdemokraten, werde den Euro-Rettungsschirm durchs Parlament bringen und so nicht nur die Währung, sondern auch noch den Ruf der Slowakei retten.

Fico, der Held, diese Darstellung gefällt ihm. Der 47-Jährige ist ein bulliger Mann mit kantigem Haarschnitt. Einen Linkspopulisten nennen ihn viele, weil er sich oft von einfachen Versprechen hinreißen lässt. Andere bezeichnen ihn als Machtmensch – er, der bis 2010 vier Jahre lang Premierminister war, hat ein ausgeprägtes Gespür für Mehrheiten und politische Händel. Die Posse um den Rettungsschirm ist sein bisheriges Kabinettsstückchen; sein Kalkül ist bis ins letzte Detail aufgegangen.

Die Ausgangslage: Grundsätzlich ist er mit seiner Partei Smer („Richtung“) von vornherein für den Rettungsschirm. Statt ihn aber im Parlament zu unterstützen, um ein starkes Signal nach Europa zu senden, lässt er die zerstrittene Mitte-Rechts-Koalition von Premierministerin Iveta Radicova voll auflaufen. Über der Entscheidung zerbricht die Regierung – und ganz Europa drängt das Fünf-Millionen-Einwohner-Land, den Rettungsschirm nicht zu blockieren. Jetzt kann Fico den übrigen slowakischen Parteien, die um Schadensbegrenzung bemüht sind, seine Bedingungen diktieren. Nun soll schon im März gewählt werden, und Fico hofft, dass seine Partei daraus als klarer Sieger hervorgeht.

Während ausländische Beobachter über Ficos Unverfrorenheit staunen, geriert er selbst sich mit großer Geste als Retter der Eurozone. „Wir haben kein Interesse an politischen Geschäften“, verkündet er – und selbstverständlich werde man in dieser schweren Zeit den Rettungsschirm unterstützen.

Die Wähler polarisiert Fico, für dessen Politikstil solche harte Bandagen typisch sind: Vor allem sozial Schwachen und Rentnern verspricht er großzügige finanzielle Hilfen, was ihm hohe Beliebtheitswerte einbringt. Andere hingegen stößt er mit seinem kalten Umgangston ab. Um Premierminister zu werden, ging Fico als Sozialdemokrat 2006 eine bizarre Koalition mit einer rechtsextremen Partei ein; sein Kabinett war verstrickt in zahlreiche Korruptionsskandale. Unliebsame Journalisten, die seinen Kurs kritisierten, beschimpfte er wahlweise als Idioten, Hyänen und Schlangen: Ein Mann der großen Töne war Fico schon damals. Kilian Kirchgeßner

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