• PORTRÄT ROLAND KOCH MINISTERPRÄSIDENT HESSENS:: „Ich habe die Nase ein wenig vorn gehabt“

PORTRÄT ROLAND KOCH MINISTERPRÄSIDENT HESSENS: : „Ich habe die Nase ein wenig vorn gehabt“

Stephan-Andreas Casdorff

Siegfried ohne Lindenblatt, das ist Roland Koch. Oder der „Eiserne Roland“, wie er auch genannt wird. Eines soll damit übereinstimmend gesagt sein: Der ist hart. Der Härteste, sagen seine Bewunderer in der CDU. Von denen gibt es immer noch mehr, als man nach seiner krachenden Wahlniederlage glauben könnte. Er ist der Mann der Konservativen, der CDU-Bundesvize und Landeschef (seit ’98). Einer, der sich was traut, der sich sogar traute, Helmut Kohl zu widersprechen, öffentlich. Von Angela Merkel ist das nicht überliefert. Koch, jung genug – am 24. März wird er 50 – will bleiben, was er (noch) ist: Ministerpräsident.

Einfach bleiben, geschäftsführend, bis auf weiteres. Holger Börner (SPD) ist das in den 80er Jahren auch gelungen. Bis zur Konstituierung des neuen Landtags am 5. April wird darum das Kabinett noch ein bisschen umgeräumt; diejenigen gehen, die bei der jüngsten Wahl auch nicht gerade zum Erfolg beigetragen haben. Zum Beispiel die Schulministerin. Aber wie es in der Hessen-CDU, einem Kampfverband ohnegleichen, so ist: Sie lobt ihren Roland Koch zum Abschied, als „besten Ministerpräsidenten“ in Deutschland.

Die CDU steht. Und bisher zu ihm. Wenn nicht, ist da noch Franz Josef Jung, der in Berlin tätige Verteidigungsminister, CDU-Vize im Land. Er verteidigt auch Koch. Die Hessen hätten mit ihm, dem zweimal siegreichen Wahlkampfchef, den Fehler nicht gemacht: als Regierung mit Oppositionsthemen die Wahl gewinnen zu wollen. Aber so dumm werden sie nicht mehr sein. Jetzt wollen sie es ganz schlau anstellen: Koch bleibt und bleibt und bleibt. Weil Andrea Ypsilanti von der SPD nicht die notwendigen Stimmen für seine Abwahl zusammenbekommt, lautet die Rechnung. Im Geheimen sind ja auch manche in ihrem Lager gegen sie. In der Zwischenzeit werden die Geschäfte weitergeführt, wird fleißig auf den wirtschaftlichen Erfolg in Hessen hingewiesen, der Ton gemäßigt – und im Mai 2009, am Tag der Europawahl, kommt es zu Neuwahlen.

Völlig ausgeschlossen? Dann nicht, wenn weiter gilt, dass die SPD nicht mit der Linken geht. In der Wahl würde die CDU nicht noch einmal so viele Stimmen an die SPD verlieren, die SPD nicht noch einmal so viele auch von den Grünen gewinnen. Wer wie Koch eine Spendenaffäre mit falschen „jüdischen Vermächtnissen“ als Chef übersteht, wer im Amt die Unwahrheit gesagt hat und im Amt geblieben ist – der ist die Härte in Person. Stephan-Andreas Casdorff

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