PORTRÄT ROMAN POLANSKI FILMREGISSEUR: : "Ich weiß, was ich getan und nicht getan habe"

Seit 30 Jahren ist er auf der Flucht. Roman Polanski darf nicht in die USA reisen, nicht mal, um seinen Oscar für "Der Pianist" abzuholen. An diesem Dienstag wird das Missbrauchsverfahren gegen ihn in Los Angeles wieder aufgenommen.

Christiane Peitz
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Foto: dpa

Seit 30 Jahren ist er auf der Flucht. Roman Polanski darf nicht in die USA reisen, nicht mal, um seinen Oscar für „Der Pianist“ abzuholen. Der Filmemacher, der gerade in Babelsberg und demnächst auf Sylt seinen Politthriller „The Ghost“ dreht, riskiert in Amerika seine Verhaftung, wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einer 13-Jährigen im Jahr 1977. Dass er in Jack Nicholsons Haus Sex mit Samantha Gailey hatte, gab Polanski in der Untersuchungshaft zu, floh jedoch vor dem Prozess nach Frankreich – wo er seitdem lebt. An diesem Dienstag wird das Missbrauchsverfahren in Los Angeles wieder aufgenommen.

Polanskis Anwälte waren mit dem Antrag auf Prozessverlegung gescheitert, obwohl sie einen aufsehenerregenden Zeugen hatten: einen Dokumentarfilm. In „Wanted and Desired“ von 2008 zeigte Marina Zenovich die zweifelhaften Seiten des Showprozesses, darunter einen geltungssüchtigen Richter und nachweislich unzulässige Absprachen zwischen den Parteien. Dennoch konnten die Anwälte nicht mit dem Argument überzeugen, es gebe für Polanski in ganz L. A. keinen unbefangenen Richter.

Sein Leben lang ist er auf der Flucht. Polanski, 1933 in Frankreich geboren, flieht mit der Familie nach Polen, im Glauben, Juden wären dort sicher. Im Ghetto von Krakau erlebt er, wie seine Eltern ins KZ abtransportiert werden, erlebt Hunger, Kälte, Todesangst. Der Junge flieht wieder, arbeitet in Krakau als Kinderdarsteller, wird mit 15 beinahe in einem Keller erschlagen. Ein Entkommener, ein Getriebener: Polanski lernt in Lodz, geht nach England, in die USA, dreht Filme über den Horror und das Monster namens Angst, das die Seele auffrisst. Kurz nach seinen Erfolgen mit „Tanz der Vampire“ und dem Albtraumklassiker „Rosemary’s Baby“ wird seine schwangere Frau, die Schauspielerin Sharon Tate, von Sektenmitgliedern Charles Mansons ermordet.

Albtraumfabrik Kino – ob bei seinem jüngsten Film über den Waisenjungen „Oliver Twist“, ob bei den harten Stoffen, bei „Ekel“, „Mac beth“, „Der Mieter“ oder dem Holocaust-Drama „Der Pianist“ (2002): Autobiografisch-therapeutische Deutungen seines Werkes lehnt er ab. Obwohl er oft auch als Schauspieler auftritt und seine Autobiografie mit dem Satz beginnt, dass die Grenze zwischen Fantasie und Wirklichkeit in seinem Leben hoffnungslos verwischt sei. An diesem Donnerstag ist Polanski übrigens im Filmmuseum Potsdam zu Gast und stellt sich – dem Publikum. Christiane Peitz

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