Porträt Rudy Giuliani : "Ich mag die Rolle des Underdogs"

Die heutige Vorwahl der Republikaner in Florida entscheidet über die Zukunft eines amerikanischen Helden. Rudy Giuliani, der den 11. September 2001 als New Yorker Bürgermeister erlebte, will US-Präsident werden. Doch er steht vor dem Aus - lange vor Erreichen der Zielgeraden.

Matthias B. Krause
Giuliani Foto: AFP
Der Kandidat Rudy Giuliani. -Foto: AFP

Hier in Orlando ist Florida in der Mitte flach wie ein Pfannkuchen, doch Rudy Giuliani kommt sich trotzdem vor, als wäre er von unüberwindlichen Bergen umzingelt. Wo er auch hinblickt, türmen sie sich auf. Das sah vor zwei Monaten noch ganz anders aus.

Damals begann der ehemalige New Yorker Bürgermeister seine Wahlkampftour, die ihn zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner machen soll. Während die Konkurrenten sich in Iowa, New Hampshire oder Michigan abmühten, blieb Giuliani im sonnigen Süden, dem Rentnerparadies der „Schneevögel“, wie sie hier die New Yorker nennen, die vor der Kälte des Winters fliehen. Sie seien leicht zu überzeugen, dachte er sich – und mit einem Sieg im Rücken hätte er genug Schwung für den „Superdienstag“ am 5. Februar, an dem in über 20 US-Bundesstaaten gewählt wird.

Zunächst sah es so aus, als ginge Rudys Wette auf. Der populäre Politprofi, der als Bürgermeister den 11. September erlebte, führte in Florida und in den landesweiten Umfragen. Doch je intensiver der Wahlkampf wurde, desto mehr schrumpfte sein Vorsprung. Mitte Januar überholte ihn John McCain, dann Mitt Romney. Dass sich die Aufmerksamkeit mittlerweile von der nationalen Sicherheit auf die Wirtschaft verschoben hat, macht Giuliani zusätzlich zu schaffen.

„McCain sagt, er sei der Beste in Sachen Sicherheit“, predigt Giuliani auf jedem seiner Wahlkampfstopps, „Romney glaubt, er sei der Mann der Wirtschaft. Ich bin beides.“ Doch so wirklich nehmen sie ihm das nicht ab. Zudem hat der zum dritten Mal verheiratete Politiker Probleme, mit seiner liberalen Haltung die konservative Basis der Partei für sich zu begeistern. Es vergeht derzeit kein Tag, an dem Giuliani nicht gefragt wird, ob er aufgeben wird, wenn er die Vorwahl in Florida nicht gewinnt. Darauf antwortet er nie direkt. Stattdessen sagt er: „Ich mag die Rolle des Underdogs. Wir haben sie alle in Sicherheit gewogen, und jetzt werden wir das Feld von hinten aufrollen.“ Was bleibt ihm auch übrig.

Um die Strategie zu wechseln, ist es zu spät, das Momentum besitzen die anderen. Außerdem ist seine Wahlkampfkasse beinahe leer. Kenneth Osgood von der Florida Atlantic University glaubt, dass Giuliani nicht lange durchhält, sollte er verlieren: „Dann ist jeder Schwung aus seiner Kampagne raus, und er sieht aus wie ein Narr, der leichtsinnigerweise alle seine Eier in einen einzigen Korb gelegt hat.“ 

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