Porträt : Rupert Murdoch - der Krieger

Rupert Murdoch zog seine Offerte zurück, den hoch profitablen Bezahlsender BSkyB komplett in seinen Besitz zu bringen. Dennoch ist er ein Kämpfer, ein Krieger.

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Rupert Murdoch.
Rupert Murdoch.Foto: dpa

Baron Münchhausen hatte, als er tief im Sumpf gelandet war, einen einfachen Trick zur Hand. Er zog sich an seinen Haaren selbst aus dem Sumpf. Rupert Murdoch will Vergleichbares. Zwar muss der australisch-britisch-amerikanische Medientycoon nicht sein Leben, wohl aber sein Lebenswerk retten.

Der 80-Jährige ist höchstselbst nach London geeilt, um Politik und aufgebrachte Öffentlichkeit auf der Insel wenn nicht freundlich, so doch friedlich zu stimmen. Schon hat der uferlose Abhörskandal um die „News of the World“ und weitere Blätter von Murdochs News International seinen eigentlichen Plan, den hoch profitablen Bezahlsender BSkyB komplett in seinen Besitz zu bringen, obsolet gemacht. Murdoch zog seine Offerte zurück, wohl wissend, dass selbst Tory-Premier David Cameron ihm seine Unterstützung entzogen hat.

Aber der gebürtige Melbourner Keith Rupert Murdoch ist ein Kämpfer, ein Krieger. Zum schieren Beweis, wie sehr für ihn die Pressefreiheit über allen Presseorganen steht, hat er „News of the World“ kaltblütig einstellen lassen. Als „bedauernswert und inakzeptabel“ hatte er die Hacker-Attacken der Redaktion genannt. Seine News Corp. wird die Profite der eingestellten Zeitung locker verschmerzen, 2010 wurde ein operativer Gewinn von rund 2,8 Milliarden Euro erzielt. Und BSkyB bleibt auf der Einkaufsliste, da zählt kein Tag, kein Jahr. Jahrzehnte hat es ja gedauert, bis Murdoch ein globales Medienimperium beisammen hatte. Ihm gehören das Filmstudio 20th Century Fox, die Senderkette Fox, Zeitungen wie das „Wall Street Journal“, Zeitschriften- und Buchverlage. In den USA, in Australien und Großbritannien hat der Konservative enormen Einfluss auf die öffentliche Meinung.

Aber er will nicht Politik machen, sondern mit der Politik seine Marktinteressen bedienen – Chamäleon der Macht, das er ist. Vor allem der aggressive Journalismus, wie ihn die Londoner „News of the World“ oder der US-Sender Fox verkörpern, ist der Hebel für Auflagen, Quoten und Umsätze, wobei Murdoch das Kreieren von Inhalten so wichtig ist wie das Verwerten. In seinem Reich gibt es keine Online-Gratiskultur.

Rupert Murdoch ist in dritter Ehe mit der 36 Jahre jüngeren TV-Managerin Wendi Deng verheiratet. Unter seinen sechs Kindern gilt James aus Ehe Nummer 2 als Kronprinz. Jetzt aber ist Murdoch auf die Londoner Bühne getreten. „Family Business“ bleibt Patriarchen-Business. Joachim Huber

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