• PORTRÄT RUPERT MURDOCH MEDIENUNTERNEHMER:: „Journalismus mit Qualität ist nicht billig“

PORTRÄT RUPERT MURDOCH MEDIENUNTERNEHMER: : „Journalismus mit Qualität ist nicht billig“

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch will nun doch Geld für Internet-Inhalte nehmen. Er ist nicht der erste, der das versucht

Markus Ehrenberg
292656_0_d542f0d7.jpg
Foto: dpaKEYSTONE

Was für eine forsche Idee: Medienzar Rupert Murdoch will im Internet alle Nachrichtenangebote seines weltweiten Konzerns kostenpflichtig machen. Der US-Milliardär reagiert auf die heftige Werbe- und Medienkrise und würde damit gleichzeitig einen lang gehegten Wunschtraum der Medienbranche erfüllen: eine Abkehr von Gratis-News im Web, Geld verdienen mit „Spiegel online“, dem deutschen Marktführer bei den News- Portalen, oder eben mit dem Internet-Ableger des „Wall Street Journal“, das seit 2007 genauso zu Murdochs Medienkonzern News Corporation gehört wie das britische Boulevardblatt „The Sun“ und ein Teil des deutschen Pay-TV-Senders Sky (ehemals Premiere).

Geld bezahlen für Informationen aus dem Netz? Ansätze dafür gab es reichlich. Sie scheiterten immer wieder an der Mentalität der zig Millionen Internet-Nutzer, die ihre Informationen einen Mausklick weiter suchen (und finden), wenn sie irgendwo dafür bezahlen müssen. Deutsche Verlagshäuser reagierten unterschiedlich auf Murdochs Vorstoß. Mathias Döpfner, Vorstandschef des Medienhauses Axel Springer, sagte, die „Kostenlos-Kultur“ müsse Schritt für Schritt zurückgedrängt werden. Er sehe gute Chancen für Bezahlmodelle im Netz. Bei „sueddeutsche.de“ hieß es, es gebe Überlegungen, sich bezahlen zu lassen. Nur noch Bezahlinhalte im Netz zu publizieren, halte man aber für keinen guten Weg. Zurückhaltend äußerte sich auch Christian Röpke, Geschäftsführer von „Zeit Online“: „Bei generellen Nachrichten gibt es unserer Ansicht nach keine Zahlungsbereitschaft bei den Usern.“

Murdoch scheren solche Bedenken nicht. Es wird geschätzt, dass circa zwei Prozent der global vertriebenen Medien unter dem Einfluss des 78-jährigen konservativen Verlegers stehen. Man wolle noch im laufenden Geschäftsjahr mit der Umsetzung der neuen Strategie beginnen, sagt Murdoch. Die digitale Revolution habe viele neue Vertriebswege eröffnet. „Aber sie hat Inhalte nicht gratis gemacht. Qualitätsjournalismus ist nicht billig.“ Gewiss, Murdochs Pläne für das Ende kostenloser Nachrichten im Web stellen eine Zäsur dar. Sie zeigen aber auch, dass sich der australische Medienunternehmer mal irren kann. Bei der Übernahme des Dow-Jones- Konzerns mitsamt dem „Wall Street Journal“ vor zwei Jahren dachte er über völlig kostenlose, werbefinanzierte Nachrichtenseiten nach. Jetzt soll das den User Geld kosten.Markus Ehrenberg

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben