PORTRÄT SABBAR KASCHUR VERURTEILTER VERGEWALTIGER: : „Das ist Ausdruck von Rassismus“

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Schöner Roller, sagt sie und kurz darauf haben die beiden Sex auf dem Dach eines nahe gelegenen Bürogebäudes. Sie ist Jüdin, er Araber. Nach 15 Minuten setzt er sich wieder auf seinen Motorroller, ihren Namen hat er bald vergessen. „Sie hat nicht nur mitgemacht, es war ihre Idee“, sagt Sabbar Kaschur heute.

Inzwischen ist der 30-Jährige in Jerusalem zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden, wegen „Vergewaltigung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und Identität“, und es ist kein Wunder, dass in einem Land, in dem es so sehr um Identität geht, über diesen Fall gestritten wird. Kaschur hatte dem jungen Mädchen, das sich zu dem Vorfall nicht äußert, verschwiegen, dass er verheiratet ist. Vor allem hatte er sich ihr als „Dudu“ vorgestellt, einem unter Juden üblichen Spitznamen. Sie hatte Kaschur offenbar für einen jüdischen Junggesellen gehalten und war zur Polizei gegangen, als sie die Wahrheit erfuhr. Es sei zwar keine „klassische“ Vergewaltigung mit Gewalteinwirkung, sagt Richter Zvi Segal, das Gericht müsse die Bevölkerung aber gegen „raffinierte Kriminelle verteidigen, die mit Schmeichelei und Süßholzraspeln unschuldige Opfer auf Abwege führen“.

In Israel hat der Fall zu einer Debatte über Rassismus, Geschlechterbeziehungen und Sexualverhalten geführt. Wäre ein Dudu, der sich als Sabbar ausgegeben hätte, auch verurteilt worden, fragt ein Kolumnist von „Haaretz“ und beklagt, dass dem Urteil der „unangenehme Geruch rassischer Reinheit“ anhafte. Yuval Yonay, ein Soziologieprofessor an der Universität von Haifa, nennt das Verhalten des verheirateten Kaschur „unangemessen, aber keine Vergewaltigung“.

Das Gericht verweist auf den Fall eines jüdischen Israelis, der als falscher Neurochirurg eine Frau verführt hatte. Auch er war zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Sagt ein Mann nicht die Wahrheit „in Bezug auf entscheidende Dinge“, hatte das höchste Gericht Israel vor zwei Jahren festgestellt, komme Vergewaltigung in Betracht.

Für Dana Pugach, die Verbrechensopfer vertritt, ist das ein richtiger Grundsatz: „Ich sehe keinen Unterschied zwischen einem Araber, der sich als Jude ausgibt, und einem armen Schlucker, der sich als reicher Pilot ausgibt, wenn dieser Faktor die Entscheidung beeinflusst, Sex zu haben.“

Kuschur selbst hält das Urteil für rassistisch. Er wartet, mit einer elektronischen Fußfessel, auf das Berufungsverfahren. Seine Frau, sagt er, habe ihm bereits vergeben. Moritz Schuller

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